Zusammenfassung Mathematischen Kompetenzen wird eine wichtige Rolle für den erfolgreichen Übergang von der allgemeinbildenden Schule in die berufliche Erstausbildung zugesprochen. Wie in der Schule erworbene mathematische Kompetenzen beim Übergang in der beruflichen Ausbildung Wirkung zeigen, ist bis auf statistische Zusammenhänge allerdings wenig untersucht. Erschwert wird die Forschung u. a. dadurch, dass auf beiden Seiten grundsätzlich verschiedene und nicht unmittelbar anschlussfähige Kompetenzbegriffe genutzt werden. Während Anforderungen im Mathematikunterricht der allgemeinbildenden Schule allgemeinbildende mathematische Kompetenzen adressieren und diese eher an einer Wissensbildung orientiert sind, werden berufliche Kompetenzen zur Bewältigung realer beruflicher Anforderungen benötigt und sind somit eher handlungsorientiert zu verstehen. In der Forschung wurde das Konstrukt berufsfeldbezogene mathematische Kompetenzen als eine vermittelnde Größe zwischen den verschiedenen Kompetenzkonstrukten vorgeschlagen, das als Ansatzpunkt für wissenschaftliche Studien zum Übergang Schule – Beruf genutzt werden kann. Darauf aufbauend untersuchen wir in der vorliegenden empirischen Studie, inwiefern sich solche berufsfeldbezogenen mathematischen Kompetenzen von allgemeinbildenden mathematischen Kompetenzen abgrenzen lassen. Aufgrund der inhaltlichen Nähe zum Unterrichtsfach Mathematik haben wir exemplarisch das Berufsfeld der Industriekaufleute gewählt. Für eine Stimulated-Recall-Interviewstudie wurden Aufgabenpaare entwickelt, die bei mathematisch-inhaltlicher Parallelität die unterschiedlichen Grade an beruflicher Anforderung widerspiegeln. Die Auswertung von Interviews mit 18 Auszubildenden zeigt, dass die Mathematikaufgaben mit berufsbezogenem bzw. allgemeinbildendem Kontext tatsächlich unterschiedliche kognitive Bearbeitungsprozesse hervorrufen. Die Ergebnisse lassen sich als qualitative Unterschiede zwischen allgemeinbildenden mathematischen und berufsfeldbezogenen mathematischen Kompetenzen interpretieren. Mögliche Implikationen für die Forschung und die Schulpraxis werden diskutiert.
Mathematical competencies play a crucial role in the successful transition from general to vocational education. Little research has been done on the statistical connections, of how mathematical competencies acquired at school have an impact on the transition to vocational training. Research is made more difficult by the fact that fundamentally different and not directly connectable concepts of competence are used on both sides. While requirements in mathematics in general education school address general mathematical competencies and these are more oriented towards knowledge development, vocational competencies are required to cope with real vocational requirements and are therefore to be understood as more action-oriented. In research, the construct of vocation-related mathematical competencies has been proposed as a mediating factor between the different competence constructs in school and at work, which can be used as a starting point for scientific studies in the transition phase. Based on this, we investigate in the present empirical study to what extent such vocation-related mathematical competencies can be distinguished from general mathematical competencies. Due to the content-related proximity to the subject mathematics, we have chosen the vocational field of industrial clerks as an example. For a stimulated recall interview study, pairs of problems were developed that reflect the different degrees of vocational requirements in the case of parallel mathematical content. The evaluation of interviews with 18 trainees shows that the mathematical problems with a vocation-related or a general education context actually cause different cognitive processes. The results can be interpreted as qualitative differences between general mathematical and vocation-related mathematical competencies. Possible implications for research and school are discussed.