Schuldgefühle bei Krebspatient:innen und die Nutzung von komplementär- oder alternativmedizinischen Methoden

Ziel dieser Arbeit war es, den Einfluss von Schuldgefühlen bei Krebspatienten auf die Nutzung von Komplementär- und Alternativmedizin (KAM) zu untersuchen. KAM wird von vielen onkologischen Patienten ergänzend zur Standardtherapie oder zur Verbesserung des Wohlbefindens genutzt. Emotionale Faktoren spielen eine relevante Rolle bei gesundheitsbezogenen Entscheidungen; der Einfluss von Schuldgefühlen auf die KAM-Nutzung war bislang jedoch unzureichend erforscht. Nach aktuellem Kenntnisstand handelt es sich um die erste Querschnittsstudie, die diesen Zusammenhang systematisch analysiert. Insgesamt nahmen 162 onkologische Patienten (Durchschnittsalter 60,8 Jahre) an der Studie teil, davon 59,9 % Frauen. Mehr als die Hälfte der Befragten (54,8 %) nutzte aktuell oder in der Vergangenheit KAM, wobei Frauen und jüngere Patienten diese häufiger verwendeten. Zu den am häufigsten genutzten Methoden zählten Vitamin D, Entspannungsverfahren und B-Vitamine. Zwischen Selbstwirksamkeit, Patientenaktivierung und KAM-Nutzung zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang. Ebenso fanden sich keine signifikanten Assoziationen zwischen den untersuchten Schuld-Subskalen und der Nutzung von KAM. Das logistische Regressionsmodell erklärte 29,7 % der Varianz der KAM-Nutzung. Schuldgefühle standen vor allem im Zusammenhang mit der Dimension Empathie-Reparation. Männer und ältere Patienten wiesen hierbei geringere Ausprägungen auf. Die Ergebnisse widerlegen die Hypothese eines direkten Zusammenhangs zwischen Schuldgefühlen und KAM-Nutzung. Schuldgefühle sollten dennoch in der psychoonkologischen Betreuung berücksichtigt werden, insbesondere im zwischenmenschlichen Kontext. Darüber hinaus unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer individualisierten, wertfreien ärztlichen Beratung zur KAM-Nutzung sowie den Bedarf an weiterer Forschung zu bislang nicht erfassten Einflussfaktoren.

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