Die vorliegende Arbeit nimmt sich dieses Desiderats der Forschung an und beschreibt die Entwicklungen und Tendenzen des Ersten Weltkrieges speziell im Fürstentum Reuß jüngere Linie im heutigen Thüringer Ober- und Unterland. Dabei werden zwei grundlegende Erfahrungen analysiert: Kriegsbegeisterung und Massenmobilmachung in der Region sowie die Erlebnisse an der „Heimatfront“, welche sich, besonders in den letzten Kriegsjahren, vorzugsweise auf Misswirtschaft und Mangelversorgung beschränkten. Jene Erlebnisse dienen als Referenzgröße und werden den Kriegserfahrungen im Fürstentum Reuß j.L. gegenübergestellt. Für die vorliegende Mikrostudie selbst ergeben sich daraus folgende Fragestellungen: Wie konkret reagierten die Bewohner auf den Kriegsausbruch am 01. August 1914 und inwieweit vollzog sich die Phase der Massenmobilmachung in den ersten Kriegsjahren bis hin zum „totalen“ und „erschöpften“ Krieg? Wie gestaltete sich die Versorgungssituation mit Lebensmitteln bei Kriegsbeginn und inwiefern hat sich diese bis zum Kriegende hin verändert? Litten die Bevölkerungsschichten unterschiedlich stark an der Ernährungssituation und war die Bevölkerung von der Mangelwirtschaft und der prekären Versorgungslage in den Städten und den ländlichen Gemeinden gleichermaßen betroffen? Doch bevor eine umfassende Bearbeitung der zentralen Fragen erfolgen kann, werden sowohl Themengebiet als auch Quellenmaterial eingegrenzt und bearbeitet. Dabei soll als Einstieg ein aktueller Überblick über die Forschungssituation „Erster Weltkrieg“ dienen. Weiterführend wird in einem Exkurs das Fürstentum Reuß j.L. in seiner Entwicklung ab 1848 ergründet und die Wiedervereinigung der drei Teilherrschaften der jüngeren Linie Schleiz, Lobenstein-Ebersdorf und die Landeshauptstadt Gera fokussiert. Dies umfasst ebenso die strukturgeschichtlichen Besonderheiten und Wesensmerkmale der beiden Fürstentümer Reuß, insofern sie dem eigentlichen Forschungsgegenstand dienlich sind.
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