Zusammenfassung
Hintergrund: In Gerichtsverfahren sollen Sachverständige häufig Stichkräfte abschätzen, welche für ein bestimmtes Verletzungsmuster erforderlich waren. Zu diesem Thema existieren nur wenige Studien.
Ziele: Entwicklung und Kalibrierung eines Versuchsaufbaus zur Quantifizierung dynamischer Stichbewegungen und -kräfte Untersuchung des Einflusses unterschiedlich geformter Klingen auf die Stichkraft
Material und Methoden: Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein Griff mit integriertem Kraft- und Beschleunigungssensor entwickelt und kalibriert. Verschiedene Klingen können am Griff befestigt werden. Es wurden 27 Messerstiche mit drei verschiedenen Klingen von einem Probanden durchgeführt. Als Gewebesurrogat diente Gelatine. Die Stichgeschwindigkeiten wurden mit einer Hochgeschwindigkeitskamera erfasst.
Ergebnis und Diskussion: Die Kalibrierung des Kraftsensors ergab eine nahezu perfekte lineare Regression. Die Stichgeschwindigkeiten lagen zwischen 2,7 und 5,0 m/s bei Stichkräften zwischen 54,8 und 129,3 N. Das Stechen mit der stumpfen Klinge resultierte in deutlich höheren Stichkräften im Vergleich zur spitzen oder gezahnten Klinge. Diese Tendenz zeigte sich auch für die gezahnte gegenüber der spitzen Klinge, jedoch ohne statistische Signifikanz. Eine signifikante Abhängigkeit der Stichgeschwindigkeit von der Stichkraft konnte nur für die gezahnte Klinge nachgewiesen werden.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Stichgeschwindigkeit als auch die Klingenform die Stichkraft beeinflussen können. Für eine belastbare Begutachtung bedarf es daher einer Berücksichtigung des jeweiligen Tatmessers und der konkreten Fallumstände.
Background: In court proceedings, forensic and biomechanical experts frequently have to estimate the stabbing forces necessary for a certain pattern of injury. Studies on this topic are rare.
Objective: Development and calibration of an experimental set-up for quantification of dynamic stabbing kinematics and forces. Investigation of the influence of different shaped blades on stabbing forces.
Material and methods: We developed and calibrated a handle with an integrated force sensor and an accelerometer. Different blades can be attached to the handle. A total of 27 stabbings were performed by 1 volunteer at medium intensity and preferably reproducible stabbing velocities. We used three blades with different shapes. Gelatine served as tissue simulant. Maximum stabbing velocities were captured via two-dimensional high-speed videography.
Results: The force sensor calibration resulted in a nearly perfect linear regression. Stabbing velocities ranged between 2.7 and 5.0 m/s with stabbing forces between 54.8 and 129.3 N. Stabbing with the blunt blade resulted in significantly higher stabbing forces compared to pointed and serrated blades. A similar trend was observed for serrated versus pointed blades, but without statistical significance. A significant dependency of the stabbing velocity on stabbing force could only be proven for the serrated blade.
Conclusion: Blade shape and stabbing velocity are factors that can influence the resultant stabbing force. Reliable case evaluation needs the consideration of case-specific knives and circumstances.