Die vorliegende Arbeit untersucht verschiedene Stoffwechselparameter, diabetische Komplikationen und die medikamentöse Therapie einer monozentrischen Kohorte von Patienten mit Typ-1-Diabetes (T1DM) und Typ-2-Diabetes (T2DM) in Sekundär- und Tertiärversorgung über einen Zeitraum von 15 Jahren. Methoden: Retrospektive Querschnittanalyse von vier monozentrischen Kohorten zwischen 2004 und 2019. Alle Patienten mit T1DM oder T2DM in Sekundärversorgung (n = 5571) oder Tertiärversorgung (n = 2001) wurden eingeschlossen. Die statistischen Analysen wurden mit linearen gemischten Modellen durchgeführt. Ergebnisse: Die Diabetesdauer nahm sowohl bei Patienten mit T1DM als auch mit T2DM in der Sekundär- und Tertiärversorgung zu (p < 0,001). Patienten in Sekundärversorgung zeigten eine konstant gute glykämische Kontrolle, während Patienten in der Tertiärversorgung eine unzureichende glykämische Kontrolle aufwiesen. Alle vier Kohorten zeigten im Laufe der Zeit einen signifikanten Anstieg der Prävalenz der Nephropathie und drei von vier Kohorten (T1DM und T2DM in der Sekundärversorgung und T2DM in der Tertiärversorgung) zeigten einen Anstieg der Prävalenz der Neuropathie (alle p < 0,001). Die Inzidenz schwerer Hypoglykämien lag auf einem niedrigen Niveau. Der Einsatz der Insulinpumpentherapie und von Insulinanaloga in der Therapie von Menschen mit T1DM nahm signifikant zu. Schlussfolgerungen: Die gestiegene Prävalenz der diabetischen Komplikationen könnte unter anderem auf das höhere Patientenalter und die gestiegene Diabetesdauer zurückzuführen sein. Die niedrige Inzidenz der schweren Hypoglykämien sowie Amputationen der unteren Extremitäten und eine zufriedenstellende glykämische Kontrolle bei Patienten in der Sekundärversorgung weisen auf eine gute Struktur der Patientenversorgung hin.