Mortalität während der neurologischen Frührehabilitation und Langzeitlebensqualität nach prolongierter intensivmedizinischer Therapie

Greul, Franziska GND

Mortalität und Lebensqualität intensivmedizinisch behandelter Patienten gewinnen aus ethischen und ökonomischen Gründen seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung. Dies betrifft besonders Patienten, die länger auf der Intensivtherapiestation (ITS) bleiben und sich dort einer aufwändigen und belastenden Behandlung unterziehen müssen. Auch wenn dies nur eine Minderheit ist, so verursachen doch gerade diese Patienten einen signifikanten Anteil der intensivmedizinischen Gesamtkosten. Fragen nach individueller Zufriedenheit und langfristigem funktionellen Zustand dieser Patienten sind nicht abschließend geklärt. Dies hat zur Folge, dass diskutiert wird, ob die teils übertrieben wirkende Intensivmedizin weitergeführt werden soll. In diesem Zusammenhang wird außerdem diskutiert, ob die begrenzten intensivmedizinischen Ressourcen gerecht verteilt sind, da trotz des hohen finanziellen Aufwandes das Outcome nicht vorhersehbar ist. Die damit verbundenen Kosten bei geringer werdenden finanziellen Mitteln werden im Kontext des gesamtgesellschaftlichen Nutzens ebenfalls zunehmend hinterfragt. Zielstellung der vorliegenden Studie war die Identifikation von Prädiktoren für Mortalität und Lebensqualität von Patienten, die im Anschluss an die prolongierte intensivmedizinische Behandlung eine neurologische Frührehabilitation erhielten. Die Untersuchung wurde als retrospektive Analyse an Hand eines während der Jahre 1999-2005 eingeschlossenen Patientenkollektivs durchgeführt. Die Studiengruppe umfasste initial 275 Patienten, die unmittelbar von der anästhesiologischen ITS des Universitätsklinikums Jena (UKJ) in die neurologische Rehabilitation Phase B verlegt wurden. Zusätzlich zu den Prädiktoren Alter und Geschlecht wurde die Erkrankungsschwere bei ITS-Aufnahme mittels Acute Physiology And Chronic Health Evalutation (APACHE) II Score erhoben. Der intensivmedizinische Verlauf wurde mittels der Gesamtliegezeit, Beatmungs-, Katecholamin- und Dialysetherapiedauer charakterisiert sowie über zwei repräsentative Komplikationen [Diagnose schwere Sepsis und/oder Critical Illness Polyneuropathie (CIP)]. Weiterhin wurde der neurologische und körperliche Zustand [Frühreha-Barthel-Index (FBI)] bei Verlegung erfasst. Andere, bei Entlassung untersuchte Einschränkungen betrafen den respiratorischen Status und Dialysebedarf sowie die Gesamtzahl der relevanten Organdysfunktionen. Die Lebensqualität nach der neurologischen Rehabilitation wurde durch den Short Form 36 Health Survey (SF36) eingeschätzt. Mit schrittweisen Regressionsanalysen wurden Prädiktoren der als Endpunkte festgelegten Variablen Mortalität und Lebensqualität identifiziert. Während der Rehabilitation verstarben 22,9 Prozent der überwiesenen Patienten (n=63); von 17 Patienten konnte der Rehabilitationsverlauf nicht weiter verfolgt werden. Nach durchschnittlich 48 Monaten sandten 47,7% (n=93) der nach Hause oder in ein Pflegeheim entlassenen Patienten den SF36 zurück. Die verbliebenen Patienten (n=102) verstarben entweder im Verlauf (n=42), waren nicht erreichbar (n=10) oder verweigerten die Teilnahme (n=17) bzw. war ihnen diese aus anderen Gründen nicht möglich (n=33).

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Greul, Franziska: Mortalität während der neurologischen Frührehabilitation und Langzeitlebensqualität nach prolongierter intensivmedizinischer Therapie. Jena 2016.

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