Vaskuläres Altern nach plazentaassoziierten Schwangerschaftskomplikationen unter Berücksichtigung eines möglichen Effektes der Einnahme von Pentaerythrityltetranitrat in der Schwangerschaft

  • Wissenschaftlicher Rahmen und Hintergrund: Epidemiologische Studien zeigen, dass Frauen mit vorbestehender endothelialer Dysfunktion ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung plazentaassoziierter Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie oder fetale Wachstumsretardierung tragen. Betroffene Frauen weisen sowohl eine gestörte Anpassung des Herz-Kreislauf-Systems an die Schwangerschaft, als auch ein erhöhtes Risiko für die frühzeitige Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen nach der Schwangerschaft auf. Dementsprechend scheint ein präkonditionierter vaskulärer Zustand mit der Entwicklung von plazentaassoziierten Schwangerschaftskomplikationen in Verbindung zu stehen, die wiederum eine akzelerierte Endothelalterung mit frühzeitiger Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen begünstigt. Hypothetisch könnte eine Behandlung der endothelialen Dysfunktion während der Schwangerschaft daher zu einer Abmilderung des Verlaufes beschriebener Schwangerschaftskomplikationen beitragen und damit möglicherweise auch zu einem geringeren Langzeitrisiko für die Entwicklung von kardiovaskulären Erkrankungen im späteren Leben führen. Auf der Suche nach geeigneten Therapieoptionen konnte in klinischen Studien für den Stickstoffmonoxid-Donator Pentaerythrityltetranitrat (PETN) sowohl eine gefäßerweiternde als auch eine endothelschützende Wirkung nachgewiesen werden. Bei der medikamentösen Behandlung von Schwangeren mit erhöhtem Risiko für plazentaassoziierte Erkrankungen konnte eine Verbesserung des Schwangerschaftsoutcomes beobachtet werden. Eine mögliche Langzeitwirkung von PETN auf die Gefäßgesundheit und die kardiovaskuläre Funktion betroffener Frauen wurde dabei bisher noch nicht untersucht.
  • Fragestellung und Ziele: Ziel dieser Arbeit war es, die kardiovaskuläre Gesundheit von Frauen 10-20 Jahre nach plazentaassoziierten Schwangerschaftserkrankungen mit derer von Frauen nach ereignislosen Schwangerschaften zu vergleichen. Dabei wurden Zusammenhänge zwischen klinischen Parametern und der kardiovaskulären sowie endothelialen Funktion der Kollektive untersucht. In der Annahme einer Verbesserung der Endothelfunktion und potentiell langfristigen Minderung endothelialer Schäden wurde zudem eine mögliche Langzeitwirkung von PETN nach Einnahme in der Schwangerschaft auf den weiteren Verlauf der kardiovaskulären Funktion untersucht. Methodik: Wir rekrutierten Frauen 10 bis 20 Jahre nach schwerer Präeklampsie, einschließlich Frauen, die während der Schwangerschaft PETN erhalten hatten, und entsprechende Kontrollprobandinnen. Diese wurden hinsichtlich klinischer Basisdaten und kardiovaskulärer 2 Funktionsparameter untersucht. Dabei kamen unterschiedliche kardiovaskuläre Untersuchungsmethoden wie die transthorakale Echokardiographie, die VICORDER-Messung und die USCOM-Analyse zur Anwendung. Für die statistische Auswertung der erhobenen Daten wurde SPSS genutzt.
  • Ergebnisse und Diskussion: 53 Probandinnen nach Präeklampsie und/oder fetaler Wachstumsretardierung, davon 13 mit vorangegangener PETN-Einnahme, und 51 Kontrollpersonen wurden im Durchschnitt 14 Jahre nach der jeweiligen Indexschwangerschaft für eine Nachuntersuchung rekrutiert. Im Vergleich zum Kontrollkollektiv zeigten Frauen nach plazentaassoziierten Schwangerschaftskomplikationen eine signifikant höhere Inzidenz arterieller Hypertonie (13,7% vs. 41,5%, p<0,001) und wiesen häufiger hypertensive Blutdruckwerte auf, unabhängig von bereits etablierter Diagnose oder Medikation (41,2% vs. 67,30%, p=0,008). Weitere Untersuchungen der endothelialen und kardiovaskulären Funktion zeigten keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Allerdings wiesen Frauen, die PETN während der Schwangerschaft eingenommen hatten, in der transthorakalen Echokardiographie im Vergleich zu allen Frauen ohne PETN-Einnahme (sowohl gesunde Frauen als auch betroffene Frauen ohne PETN-Einnahme) signifikant kleinere Vorhofflächen und Ventrikeldimensionen des rechten Herzens auf.
  • Schlussfolgerungen: Zusammenfassend bestätigen die Ergebnisse unserer Arbeit, dass das Risiko für ein frühzeitiges Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere arterieller Hypertonie, bei Frauen nach plazentaassoziierten Schwangerschaftskomplikationen
    im Vergleich zu Frauen nach ereignislosen Schwangerschaften erhöht ist. Entgegen unseren Erwartungen zeigten sich im beschriebenen Nachbeobachtungszeitraum keine pathologischen Veränderungen in den kardiovaskulären Untersuchungen bei Frauen nach plazentaassoziierten Schwangerschaftserkrankungen. Die beobachteten Unterschiede der Rechtsherz-Dimensionen bei Frauen nach PETN-Einnahme in der Schwangerschaft lagen innerhalb der Referenzbereiche und sollten mit Vorsicht interpretiert werden.

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