Die Leber ist als zentrales Stoffwechselorgan des Organismus an multiplen Prozessen beteiligt, wie der Synthese von Plasmaproteinen, der Entgiftung und der Energieversorgung durch Glykogenspeicherung. Bei pathologischen Zuständen wie Sepsis, toxisch bedingtem Leberversagen oder chronischen Lebererkrankungen wie der Leberzirrhose sind diese Funktionen gestört. Eine präzise und frühzeitige Diagnose der zugrundeliegenden Erkrankung ist essentiell für die optimale Therapie und ein gutes Outcome. Erythrozyten stellen als die häufigsten Zellen im menschlichen Blut eine ideale Basis für eine molekulare Diagnostik dar. Die Lipidmembran von Erythrozyten wird während systemischen Alterationen verändert und spiegelt somit metabolische Veränderungen im Körper wider. Um diese zu untersuchen, fokussiert sich die vorliegende Arbeit auf fünf Tiermodelle, die unterschiedliche Formen der Leberdysfunktion repräsentieren, darunter Sepsis-induziertes Leberversagen, obstruktive Cholestase, Ischämie/Reperfusion, Paracetamol-induziertes Leberversagen und Leberfibrose. Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Krankheitsmodelle zu deutlichen Veränderungen in den Lipidprofilen der Erythrozyten führen. Diese Muster wurden mit biochemischen und zytometrischen Verfahren korreliert und könnte zukünftig als Grundlage für nicht-invasive Diagnostikmethoden dienen. Die Arbeit hebt die potenzielle Bedeutung von Erythrozyten-Lipidanalysen als diagnostisches Werkzeug hervor und liefert erste Ansätze für deren Anwendung in der translationalen Forschung. Durch die Kombination molekularer Marker und moderner Analysetechniken könnte die Diagnostik und Überwachung von Lebererkrankungen präziser werden. Perspektivisch sollen die Ergebnisse aus den präklinischen Modellen mit Patientendaten validiert werden, um die Relevanz dieser Ansätze für die klinische Praxis zu überprüfen. Diese innovative Herangehensweise unterstreicht die Bedeutung molekularer Forschung für die Weiterentwicklung der Diagnostik.