000K utf8 0100 1905361440 1100 $c2021 1500 ger 2050 urn:nbn:de:gbv:27-dbt-62785-2 2051 10.22032/dbt.62785 3000 Ebert, Anna 4000 Mythologische Frauenfiguren im Werk von DDR-Künstlerinnen in den 1980er Jahren [Ebert, Anna] 4060 60 Seiten 4209 „Mythen, die sich plötzlich neu entzündeten.“1 – So symptomatisch, wie es derJournalist Benedikt Herber in seinem Artikel über das Cassandra-Projekt desTübinger Literaturinstituts beobachtet, könnte man dem Phänomen der unversehenswieder auftauchenden antiken Mythen und mythologischen Bezüge durch dieJahrhunderte hindurch geradezu 'traditionellen' Charakter nachweisen. Ein Beispielaus der Gegenwart: das Cassandra-Projekt ist ein 2017 gestartetesForschungsprojekt, in dem Literatur auf ihr „Konfliktpotenzial“ hin ausgewertet wird,als eine „Art Seismograf, der narrative Erschütterungen [...] misst und auf dieseWeise politische Eskalationen vorhersagt“.2 Zurückgegriffen wird hierbei auf einTopos der Untergangsvision, personifiziert in Kassandra, der trojanischen Seherin,die ihr eigenes und das Ende Trojas vorhersagt, doch durch die Ignoranz, die ihrentgegenschlägt, nicht in der Lage ist, das Unheil aufzuhalten. Der 'Kassandra-Ruf',ein Synonym für negativ konnotierte Zukunftsvisionen, auch mit 'Schwarzmalerei'assoziiert, ist neben dem 'Ödipus-Komplex' oder dem 'Trojaner' ein gutes Beispielder Alltagsrezeption von Mythen.3 Warum behalten Mythen durch die Epochen ihreWirkkraft und gar Einzug in die Alltagssprache?Im Mythos werden existenzielle menschliche Probleme und Konflikte verhandelt. DieÜberzeitlichkeit ihrer Erzählungen wird durch das Einfügen in die jeweilige Zeit, dieständige Aktualisierung, Aneignung, Transformation und Umdeutung neu stimuliert.4Der Blick auf diese Geschichte der Auserzählungen und Nuancierungen vonmythischen Narrationen gibt Auskunft über die Interpretierenden, ihre Intentionenselbst.5 In der bildenden Kunst hat besonders die Rezeption der Mythologie dergriechischen Antike eine lange Tradition. Von Heiner Müller als „geronnenekollektive Erfahrung“6 betitelt, spiegelt sich in der Aufnahme mythologischer Themenund Motive das Potenzial, Mythen als sinnbildhaften Ausdruck eigenerLebensumstände wahrzunehmen.7 Dementsprechend 'einfach' lassen sichmythische Stoffe mit individuellen Botschaften füttern. 4950 https://doi.org/10.22032/dbt.62785$xR$3Volltext$534 4950 https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:27-dbt-62785-2$xR$3Volltext$534 4961 http://uri.gbv.de/document/gvk:ppn:1905361440 5051 100 5051 700 5550 Mythologie