- Wissenschaftlicher Hintergrund: Die Fazialisparese führt als häufigste Hirnnervenläsion zur teilweisen oder vollständigen Unbeweglichkeit der betroffenen Gesichtshälfte. Somit können Speisereste nach der Nahrungsaufnahme nicht ausreichend durch natürliche Selbstreinigungsmechanismen von den Zahnoberflächen entfernt werden. Durch eine zusätzliche Beeinträchtigung der Mundpflege kommt es zur erhöhten Bildung von Biofilm, was das Risiko für Mund- und Allgemeinerkrankungen erhöht. Die Mundgesundheit dieser Patientengruppe wurde bisher nur in sehr wenigen Studien untersucht.
- Wichtigste Erkenntnisse: Patienten mit Fazialisparese haben eine schlechtere Mundgesundheit als Patienten ohne Fazialisparese, was anhand einer höheren approximalen Plaquekontamination, Sulkusblutung sowie Kariesprävalenz deutlich wird. Gleiches spiegelt sich im Vergleich zwischen paretischer und nicht paretischer Seite der Patienten wider. Die Patienten zeigen eine eingeschränkte Mundhygiene sowie eine limitierte mundgesundheitsbezogene Lebensqualität. Patienten mit Fazialisparese stellen eine zahnärztliche Risikogruppe dar.
- Praktische Konsequenzen: Wichtig ist ein ganzheitliches Therapiekonzept, in welches das gesamte zahnärztliche Personal nach Diagnosestellung einbezogen wird und HNO-Ärzte sowie alle anderen an der Behandlung von Fazialisparese beteiligten Kollegen auf orale Defizite sensibilisiert werden. In der zahnärztlichen Praxis sollte Wert auf einen engmaschigen Recall und eine intensive Prophylaxe gelegt werden. Ebenso sind ein gezieltes häusliches Muskeltraining und eine spezielle Muskelmassage von Bedeutung.
- Ein Flyer mit hilfreichen Tipps für die Patienten steht unter folgendem Link zur Verfügung: https://www.uniklinikum-jena.de/fazialis/Links.html