Analyse der Veränderung von Einflussfaktoren auf die Übernahmeentscheidungen in einem Telestroke-Netzwerk

Tinschert, Philipp GND

Zur Optimierung der Versorgung von Schlaganfallpatienten wurde im Jahr 2011 in Thüringen das Telestroke-Netzwerk SATELIT etabliert. In einer Vorarbeit konnte für den Zeitraum von 01/2013 bis 05/2015 der unabhängige Einfluss folgender Faktoren auf die in SATELIT getroffenen Übernahmeentscheidungen gezeigt werden: Ein bereits im spoke nachweisbarer Gefäßverschluss und eine Lyseempfehlung korrelierten positiv mit einer Verlegungsempfehlung, während das Alter stark negativ korrelierte. Beginnend Anfang 2015 bis Mitte 2016 erschienen multiple, groß angelegte, randomisierte Studien, die klar zeigten, dass Patienten mit einem proximalen Gefäßverschluss innerhalb eines Zeitfensters von 6 Stunden deutlich von einer interventionellen Thrombektomie profitieren. Daraus ergab sich die Frage, ob die Thrombektomie-Studien auch Einfluss auf praktische Versorgung in SATELIT hatten. Es zeigte sich folgendes: In den spoke-Kliniken wurden mehr Angiographien durchgeführt, wodurch mehr Gefäßverschlüsse nachgewiesen wurden. Im Vergleich zum Zeitraum vor 06/2015 wurden relativ gesehen weniger Patienten übernommen, diese aber mit einer höheren Wahrscheinlichkeit thrombektomiert. Gleichzeitig war das Patientenalter unverändert negativ mit einer Verlegung korreliert und wurde daher weiterhin als Einflussfaktor durch die behandelnden Ärzte überschätzt, während Symptomschwere und auch das Zeitfenster ebenso unverändert keinen Einfluss auf die Verlegungsempfehlung hatten, also unterschätzt wurden. Die bessere Verfügbarkeit angiographischer Informationen führte zu einer besseren Selektion von Patienten, die für eine Thrombektomie geeignet waren. Diese wurden spezifischer übernommen und deutlich häufiger interveniert, d.h. die Entscheidungsfindung wurde effizienter und die begrenzte Ressource mechanische Rekanalisation besser genutzt. Die Arbeit zeigt, dass die Studienergebnisse praktisch umgesetzt wurden, wenn gleich die Entscheidungsfindung individuell und wenig standardisiert ist.

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