Untersuchung zur Genauigkeit der notärztlichen Verdachtsdiagnosen im Rettungsdienstbereich Jena im zweiten Halbjahr 2016

Verbeek, Felix Michael GND

Aufgrund zahlreicher offener Fragen bezüglich der Qualität der notärztlichen Diagnostik gilt es zu überprüfen, ob die gestellte Verdachtsdiagnose klinisch gesichert werden kann und welche Faktoren diese Vor-Ort-Diagnostik beeinflussen können. Im Rettungsdienstbereich Jena wurden alle Einsätze des zweiten Halbjahrs 2016 betrachtet, in welchen ein Notarzt vor Ort tätig wurde und anschließend den Patienten in die Zentrale Notaufnahme des Zentrums für Notfallmedizin des Universitätsklinikums Jena eingewiesen hat. Erfasst wurden neben der notärztlichen Diagnose auch das Alter und Geschlecht des Patienten, der Ausbildungsstand und Geschlecht des Notarztes, die Abteilungszugehörigkeit des Notarztes, die Tageszeit des Einsatzes und die Einsatzdauer. Die Verdachtsdiagnosen wurden den klinischen Entlassungsdiagnosen gegenübergestellt und bewertet. Es erfolgte eine dichotome Einteilung in falsche und richtige Diagnosen sowie eine trichotome Bewertung mit Unterteilung der richtigen Diagnosen in korrekt und teilweise korrekt. In der Studie stellten die Notärzte in 82,3% der Fälle eine korrekte Diagnose, in 17,7% Fällen konnte die Verdachtsdiagnose nicht bestätigt werden, in 53,8% der Fälle erfolgte die korrekte Festlegung des Notarztes auf nur eine Diagnose. Das Alter des Patienten erwies sich als statistisch signifikanter Einflussfaktor, es zeigte sich eine Zunahme an falschen oder teilweise korrekten Diagnosen mit zunehmendem Alter des Patienten. Die weiteren Faktoren zeigten keinen signifikanten Zusammenhang. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Notärzte zu einer weitgehend präzisen präklinischen Einschätzung der Patientensymptome kommen. Ein negativer Einfluss des Patientenalters auf die Genauigkeit konnte bestätigt werden. Weitere Studien im deutschsprachigen Raum sind notwendig, um eine Übertragbarkeit der Ergebnisse zu zeigen. Die Bewertung der Diagnosen ist schwierig, die Schaffung eines objektiven Bewertungsmaßstabes wird empfohlen.

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