Vergleich des Überlebens von Empfängern einer konventionellen postmortalen Leberspende mit dem von Empfängern einer Lebendspende und Untersuchung verschiedener Spender- und Empfängerparameter auf prognostische Aussagekraft

Bunz, Katrin GND

Aufgrund des immer größer werdenden Organmangels hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als Alternative zur LTX (postmortale Leberspende) die Methode der LL (Leberlebendspende) etabliert. Diese wird als orthotope Teilorgantransplantation durchgeführt. Dabei muss immer eine Risikoabwägung für den Lebendspender durchgeführt werden. Vorteile der LL sind die Planbarkeit der Operation und eine kurze Wartezeit für die Empfänger, woraus formal keine Wartelistenmortalität resultiert. Die in der vorliegenden Studie als signifikant nachgewiesenen Unterschiede zwischen den Populationen der beiden Transplantationsverfahren lagen beim Spenderalter (p<0,001), Spendergewicht (p=0,007) bzw. -BMI (Body-Mass-Index; p=0,007) und bei der KIZ (kalte Ischämiezeit; p<0,001). Ob die beiden Transplantationsverfahren trotz einiger formaler Unterschiede als gleichwertig zu betrachten sind, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden. In der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Jena wurde der Verlauf von insgesamt 120 Empfängern eines Lebertransplantates betrachtet (60 LL, 60 LTX). Die Stichproben wurden so aufeinander abgestimmt, dass der Altersdurchschnitt und die Verteilung der Grunderkrankungen gleich blieben. Es wurden nur Patienten mit der Grunderkrankung maligner Lebertumor oder Zirrhose ausgewählt. Sieben Patienten in der Gruppe der LL und vier Patienten, die eine LTX erhielten, mussten direkt retransplantiert werden. Es verstarben insgesamt 41 Patienten bis zum Ende des Beobachtungszeitraumes. Davon 24 Patienten nach LL und 17 Patienten nach LTX. Das mittlere Überleben der Fälle, ausgeschlossen der direkt postoperativ Verstorbenen, betrug in beiden Gruppen knapp fünf Jahre. Hinsichtlich des Transplantationsverfahrens konnte kein statistisch signifikanter Unterschied im Überleben nachgewiesen werden (p=0,264). Auch die aktuelle Studienlage zu diesem Thema beschreibt einheitlich die Vergleichbarkeit der beiden Verfahren im Outcome. Momentan wird die Warteliste anhand des MELD-Scores (Model of End Stage Liver Disease) gebildet. Alternativ dazu gäbe es die Möglichkeit, die Indikation mithilfe von Prognose-parametern zu stellen, mit denen sich das erwartete postoperative Überleben errechnen ließe. So wurden retrospektiv Spender- sowie Empfängerparameter erhoben, und diese in Bezug auf das Überleben gesetzt. Was den DRI (Donor Risk Index) und den ECD (Extended Criteria Donor) betrifft, beides Klassifikationssysteme zur präoperativen Einschätzung der Organ- qualität, so wurde die Kombination aus mehreren Parametern untersucht. Bei den LTX wurde das Überleben signifikant durch ein hohes Spenderalter negativ beeinflusst (p=0,042). Einem höheren Empfängeralter bei LTX konnte ein Trend hinsichtlich einer negativen Beeinflussung des Überlebens zugeschrieben werden (p=0,166). Es deutete sich außerdem an, dass ein DRI von über 1,5 die Überlebensrate von Empfängern einer LTX deutlich reduzierte. Demnach ist hinsichtlich der Prognoseabschätzung die Kombination aus den Parametern Spenderalter, Spendergröße, Todesursache des Spenders, Allokation und KIZ nicht zu vernachlässigen, auch wenn nicht alle in der univariaten Analyse einen Einfluss zeigten. In der vorliegenden Studie konnte kein Nachteil im Überleben für Empfänger eines formal marginalen, also ECD-Organs, nachgewiesen werden (p=0,859). Dieses Ergebnis entspricht dem Status der aktuellen Studienlage über die Transplantation marginaler Organe. Bei den LL konnte hinsichtlich des Empfängeralters eine eindeutige Signifikanz nachgewiesen werden (p=0,006). Damit kann die aktuelle Forschungslage bestätigt werden, dass ältere Empfänger weniger von einer LL profitieren als jüngere. Die Bedeutung des Spenderalters konnte mit einem Trend beschrieben werden. Es wurde ab einem Alter von 40 Jahren ein schlechteres Outcome beobachtet (p=0,294). Die Grunderkrankung der Empfänger erwies sich in der vorliegenden Studie als alleiniger Parameter, der bei beiden Transplantationsverfahren eine signifikante Rolle im Einfluss auf das Überleben spielte. Mit einem malignen Tumor waren die Überlebenschancen schlechter (p(LTX)=0,002; p(LL)=0,001). Es konnte keine isolierte Auswirkung folgender Parameter auf das Überleben nachgewiesen werden: Art des Transplantationsverfahrens, Spendergröße, Spender-BMI, Todesursache postmortaler Spender, Liegedauer postmortaler Spender auf der ITS (Intensivstation), Geschlecht der Lebendspender, Ort der Explantation, KIZ und Empfänger-BMI und Empfänger-MELD. Mit den Ergebnissen der Arbeit kann zukünftig das postoperative Risiko bzw. die Erfolgswahrscheinlichkeit und damit die Indikationsstellung evaluiert werden. Das Empfängeralter bei LL sollte den Kontraindikationen hinzugefügt werden und auch die Grunderkrankung darf bei der Indikationsstellung nicht vernachlässigt werden. Es konnten Aussagen darüber getroffen werden, inwiefern sich LTX und LL hinsichtlich spezifischer Einflussparameter unterscheiden.

Cite

Citation style:

Bunz, Katrin: Vergleich des Überlebens von Empfängern einer konventionellen postmortalen Leberspende mit dem von Empfängern einer Lebendspende und Untersuchung verschiedener Spender- und Empfängerparameter auf prognostische Aussagekraft. Jena 2019.

Access Statistic

Total:
Downloads:
Abtractviews:
Last 12 Month:
Downloads:
Abtractviews:

open graphic

Rights

Use and reproduction:
All rights reserved

Export