Prospektive Studie zum Effekt eines Hörtrainings auf die binaurale Erstversorgung von Probanden mit einer Schallempfindungsschwerhörigkeit

Brandt, Christin-Charlott GND

Die Hauptursachen der Altersschwerhörigkeit sind meist kombiniert vorliegende Innenohr- und zentrale Hörverarbeitungsstörungen. Die Altersschwerhörigkeit sollte ab einem Hörverlust von über 30dB in mindestens einer Prüffrequenz zwischen 500 und 4000 Hz mit einem Hörgerät versorgt werden, sonst droht aufgrund des eingeschränkten Hörvermögens ein Rückzug der Betroffenen aus dem sozialen Leben. Trotz eines vorhandenen Hörgerätes tragen 15-30% der Schwerhörigen ihr Gerät nicht. Von diesen geben zwei Drittel als Ursache an, dass sie mit der Hörhilfe in geräuschvoller Kulisse nichts verstehen. Ein Hörtraining nach der Hörgeräteanpassung soll dazu führen, dass mit dem Hörgerät besser in Störgeräuschen gehört werden kann. Zielsetzung ist eine Beeinflussung der Plastizität des Audiokortexes, um eine verbesserte Hörleistung mit Hörgerät zu erlernen. Aktuell gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Hörtherapien. Allerdings mangelt es für das Hörtraining Schwerhöriger an großen Studien mit einer guten Evidenz, um den Erfolg zu beurteilen. Die terzoÒ Gehörtherapie mit Trainingshörgerät wurde in der vorliegenden Studie evaluiert. Es soll als Hörtraining vor der Hörgeräteanpassung dazu führen, dass anschließend mit Hörgerät besser in Störgeräuschen gehört werden kann. Die vorliegende Arbeit stellt eine Auswertung der gesammelten Daten von Juli 2011 bis Dezember 2015 dar. In dieser Prospektivstudie nahmen 107 Probanden an der terzoÒ Gehörtherapie mit Trainingshörgerät und 109 in einer Hörgerätegruppe ohne Gehörtherapie teil. Das Follow up betrug 18 Monate. Vor dem Training, direkt im Anschluss, 6 und 18 Monate später erfolgte die Messung der Sprachverständlichkeit im Störschall mithilfe des Oldenburger Satztest (OLSA). Zusätzlich beantworteten die Probanden etablierte Fragebögen: Erwartungen an die Anschaffung von Hörgeräten (ECHO), Zufriedenheit mit Hörgeräten im Alltag (SADL), Sprachverstehen, räumliches Hören und Hörqualität (SSQ), Internationales Inventar zur Evaluation von Hörgeräten (IOI-HA) und Internationales Inventar zur Evaluation von Hörgeräten für Angehörige (IOI-HA SO). Insgesamt ließ sich eine signifikante Verbesserung des Hörvermögens ohne Hörgerät im OLSA im Anschluss an die terzoÒ Gehörtherapie mit Trainingshörgerät nachweisen. Im Verlauf nach 6 und 18 Monaten konnte weder mit noch ohne Hörgerät ein signifikanter Unterschied gefunden werden. Bei Probanden mit geringgradiger Schwerhörigkeit (WHO-Grad 1) war die Sprachverständlichkeit im Störschall in der T-Gruppe gemessen ohne Hörgerät direkt nach dem Hörtraining signifikant besser als in der H-Gruppe. Zu späteren Messzeitpunkten konnte kein signifikanter Unterschied nachgewiesen werden. Bei einer mittelgradigen Schwerhörigkeit (WHO-Grad 2) war zu keinem Zeitpunkt ein signifikanter Unterschied nachzuweisen. Insgesamt konnte die vorliegende Studie keinen positiven Langzeiteffekt der terzo® Gehörtherapie mit Trainingshörgerät nachweisen. Weitere Ergebnisse der Studie belegten, dass eine signifikante Verbesserung der OLSA-Ergebnisse in beiden Gruppen im Verlauf der Studie mit und ohne Hörgerät auftrat. Diese Verbesserung wies keinen signifikanten Unterschied zwischen der terzoÒ Gehörtherapie mit Trainingshörgerät und Vergleichsgruppe auf. Somit bewirkte das Training des Alltages eine signifikante Verbesserung des Wortverstehens im Störschall nach 18 Monaten Tragezeit. Die Probanden der terzoÒ Gehörtherapie mit Trainingshörgerät wiesen in den Fragebögen keinen signifikanten Unterschied in der Zufriedenheit, dem Verständnis und dem Trageverhalten auf. Folglich hatte das Training keinen Einfluss darauf. Für eine weitere Studie sollte im Design eine Messung des OLSA mit Hörgerät direkt nach der terzoÒ Gehörtherapie mit Trainingshörgerät geplant werden, um kurzzeitige Effekte mit Hörgerät zu zeigen. Um eine langfristige, potentiell signifikante Verbesserung durch das Training zu erreichen, sollte dieses in einem Studiendesign über einen größeren Zeitraum angeboten werden. Dabei können vor allem moderne Medien wie Tablets, Computer oder Smartphones eingesetzt werden, um eine gute Alltagstauglichkeit zu erreichen und gleichzeitig die Trainingszeit zu dokumentieren.

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Brandt, Christin-Charlott: Prospektive Studie zum Effekt eines Hörtrainings auf die binaurale Erstversorgung von Probanden mit einer Schallempfindungsschwerhörigkeit. Jena 2018.

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