Zur Vergiftungsproblematik im Raum Thüringen von 1945 bis 1980

Humann, Gabriele GND

Die vorliegende Arbeit beschreibt das Vergiftungsgeschehen im Raum Thüringen von 1945 bis 1980. Damit reiht sie sich ein in eine Studie zur Geschichte von Giften und Vergiftungen, die nach ihrer Fertigstellung einen Zeitraum von 1650 bis 1990 umfassen wird. Insgesamt konnten 11.842 Vergiftungsfälle erfasst werden. Zuordnen ließen sich 3.975 Fälle auf männliche und 3.540 Fälle auf weibliche Personen. Die Verteilung der Vergiftungsfälle nach dem Alter der betroffenen Personen ergab folgendes Bild: 7.539 Erwachsene sowie 1.803 Personen unter 18 Jahren konnten recherchiert werden. Bei der Verteilung der Intoxikationen nach dem zugrundeliegenden Ereignis wurden 5.442 akzidentelle Intoxikationen, 1.723 Suizide, 357 versuchte Suizide, 51-mal Mord bzw. Totschlag und 34-mal versuchter Mord bzw. versuchter Totschlag aufgedeckt. Von den 11.842 Vergiftungsfällen wurden 6.131 Intoxikationen überlebt. 3.616 Betroffene verstarben an der Vergiftung. Alle 11.842 Intoxikationsfälle wurden in sechs große Fallgruppen anhand der auslösenden Noxen eingeordnet. Die größte Gruppe waren die Intoxikationen durch Gase und gasförmige Stoffe mit 4.451 Fällen. Auf Nahrungsmittel und pflanzliche Ausgangsstoffe entfielen 2.172, auf Arzneimittel 1.830, auf Chemikalien 1.614, auf Suchtmittel 997 und auf sonstige Noxen 778 Einzelfälle. Ein Vergleich der eigenen Daten mit denen der Perioden von 1820 bis 1900, von 1900 bis 1945 und von 1979 bis 1990 ergab, dass anorganische Noxen im gesamten Zeitraum die häufigsten waren. Verschiebungen ergaben sich innerhalb dieser anorganischen Gruppe. Mord bzw. Mordversuch waren in der frühen Periode eine häufige Intoxikationsursache, während in den späteren Perioden Suizide und Suizidversuche deutlich zunahmen. Akzidentelle Vergiftungen spielten zu allen Zeiten eine bedeutende Rolle. Bei der Art der Giftbeibringung war in der Zeit von 1820 bis 1900 die orale Aufnahme die häufigste Applikationsart. Später gewann die pulmonale Applikation an Bedeutung.

The present study describes incidents of poisoning in Thuringia between 1945 and 1980. Thus it is part of studies about the history of poisons and poisoning which is intended to refer to three centuries between 1650 and 1990. A total of 11,842 incidents of poisoning between 1945 and 1980 could be identified. 3,975 and 3,540 cases concerned males and females respectively. According to age the incidents of poisoning were subdivided into 7,539 adults and 1,803 people under the age of 18. Investigation of the intoxications included 5,442 accidents, 1,723 suicides, 357 attempted suicides, 51 murders and 34 attempted murders were investigated. The victims of 6,131 of 11,842 cases of intoxications survived. 3,616 people died because of poisoning. All 11,842 incidents were categorized in six groups according to the basic essences. The largest group are intoxications by gases and gaseous substances: 4,451 cases. 2,172 incidents were caused by food ingredients or plant-based substances, 1,830 by drugs, 1,614 by chemical substances, 997 by addictive substances and 778 by other substances. Comparison of own data with those from the periods of 1820 to 1900, 1900 to 1945 and 1979 to 1990 suggest, that inorganic noxae were the most frequent during all time periods. Shifts occurred within this inorganic group. Murder or attempted murder was a frequent cause of intoxication in the early period, while in later periods suicide and suicide attempts increased significantly. Accidental poisoning played a significant role at all times. From 1820 to 1900, oral application was the most common type of application. Later, the pulmonary application became more important.

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Humann, Gabriele: Zur Vergiftungsproblematik im Raum Thüringen von 1945 bis 1980. Jena 2018.

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