Beschwerden über Fehlverhalten in der Psychotherapie : Ziele, Ergebnis und Entwicklungsmöglichkeiten von Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit

Welther, Marcus Stefan GND

Die bisherige Datenlage zur Untersuchung unerwünschter Wirkungen und Schädigungen von Patienten durch Psychotherapie ist noch begrenzt. Die vorliegende Studie untersucht, in Ergänzung zu einer Arbeit von Franke et al. (2016), die Gründe. Nach der Identifikation geeigneter Merkmale wertete die vorliegende Studie insgesamt 456 der in den Jahren 20062015 durch den Ethikverein e. V. dokumentierten Beschwerden und Anfragen aus. Das Beratungsangebot des Ethikvereins e. V. erreichte vorrangig Ratsuchende aus dem Kreis der geschädigten Patienten, beobachtende Kollegen, Angehörige von Betroffenen und beschuldigte Kollegen. Frauen mittleren Alters waren unter den betroffenen Ratsuchenden deutlich über-, Männer und Kinder dagegen deutlich unterrepräsentiert. Unter den beschuldigten Psychotherapeuten war die Geschlechterverteilung nahezu ausgeglichen, männliche Psychotherapeuten waren jedoch im Verhältnis zu den Zulassungszahlen sowie bei sexuellen und sozialen Grenzverletzungen deutlich überrepräsentiert. Lokale Fortbildungs- und Aufklärungsaktivitäten hatten, ebenso wie die dauerhafte Präsenz von aktiven Mitgliedern des Vereins vor Ort, direkten Einfluss auf die Zahl der Beschwerden über Fehlverhalten. Publikationen in populärwissenschaftlichen Medien mit großer Reichweite erhöhten die Wahrscheinlichkeit für fehlgeleitete Anfragen. Ausgehend von den Untersuchungsergebnissen werden Empfehlungen für die Weiterentwicklung unabhängiger Beratungsangebote, eine stärkere Standardisierung der Falldokumentation, den Ausbau von Fortbildungsangeboten für Psychotherapeuten und Ausbildungsteilnehmer sowie eine stärkere, dauerhafte Präsenz vor Ort gegeben.

The existing evidence relating to adverse effects and harm among patients undergoing psychotherapy is still very limited. Supplementary to the work of Franke et al. (2016), this study examined the reasons for specific complaints about psychotherapy, counseling services and objectives, results and development possibilities in the field of clarification and public relations work. After identification of suitable characteristics, the present study evaluated 456 inquiries and complaints documented by the Association on Ethics in Psychotherapy (Ethikverein e. V.) during the years 2006 to 2015. Individuals seeking advice at the Association on Ethics in Psychotherapy were primarily injured patients, observing colleagues, relatives of victims and accused colleagues. Among those seeking advice, middle-aged women were significantly over- represented, whereas men and children were clearly underrepresented. Among the accused psychotherapists the gender distribution was almost balanced; however, in relation to the registration figures male psychotherapists were significantly overrepresented with respect to both sexual and social boundary violations. Local training and clarification activities seem to have had a direct impact on the number of reported violations of ethical principles, as did the continuous on- site presence of supervisory members of the association. Publications in popular scientific media with a large circulation increased the probability of misdirected requests. Based on the results of the investigation, recommendations are given for further development of independent consulting services, greater standardization of case documentation, the expansion of training opportunities for psychotherapists and trainees as well as an increase in continuous supervisory presence.

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Welther, Marcus: Beschwerden über Fehlverhalten in der Psychotherapie. Ziele, Ergebnis und Entwicklungsmöglichkeiten von Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Jena 2018.

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