Anforderungen und Bewertungsmethoden für ein adaptives blendfreies Abblendlicht bei spiegelnden Fahrbahnoberflächen

Kleinert, Benedikt GND

Heutige Kfz-Lichtsysteme bieten im nächtlichen Straßenverkehr bestmögliche Sichtbedingungen für den Fahrer, ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Sobald die Straße nass ist, trifft dies nicht mehr zu. Das Problem ist die erhöhte Vorwärtsreflexion aufgrund der spiegelnden Fahrbahnoberfläche. Die Lösung ist ein adaptives blendfreies Abblendlicht, das den Passiervorgang vergleichbar blendfrei, wie bei trockener Fahrbahn gestaltet. Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht daher in der Entwicklung von Anforderungen und Bewertungsmethoden für ein solches Abblendlicht. Eine zu Beginn durchgeführte Umfrage bestätigt die Relevanz eines adaptiven blendfreien Abblendlichts. Bei nasser Fahrbahn wird die indirekte Blendung mindestens genauso stark blendend empfunden, wie die direkte. Die in einer Referenzumgebung und im Freien durchgeführten Untersuchungen belegen dies. Bei Nässe ist mit einer verstärkten indirekten Blendung zu rechnen. Besonders eine im Bereich des Reflexpunktes mit Wasser benetzte Stelle führt zu einer nahezu vollständig gerichteten Reflexion des dort auftreffenden Lichtstroms. Form und Größe des relevanten Bereichs sind abhängig von der Scheinwerferanbauhöhe und der Begegnungsentfernung. Zur Vorhersage dieses Bereichs eignet sich das entwickelte Geometriemodell. Zudem wurden die im Passiervorgang maßgeblich zur Blendung beitragenden Reflexlinien analysiert. Diese Analyse wurde erstmals simulativ und innerhalb einer Referenzumgebung mit begrenzter Länge durchgeführt. Die im Freien durchgeführten Untersuchungen bestätigen den Einfluss der Reflexlinien auf die physio- und psychologische Blendung. Systembedingt resultieren im Passiervorgang stark unterschiedliche Blendbeleuchtungsstärken. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit eines adaptiven blendfreien Abblendlichts. Als Lichtfarbe ist eine blaue am geeignetsten. Diese hat einen positiven Effekt auf den Fahrkomfort und führt zu keiner signifikanten Erhöhung der psychologischen Blendung Entgegenkommender. Dies legt den Einsatz von LED nahe. Aus der vorliegenden Arbeit resultieren Anforderungen und Bewertungsmethoden für ein adaptives blendfreies Abblendlicht. Hervorzuheben ist die entwickelte „Anti-Glare-Funktion“ (AGF), die eine Reduzierung der Leuchtdichte im Bereich der Reflexlinien auf das Niveau einer trockenen Fahrbahn ermöglicht. Mit der entwickelten Software CAGE besteht erstmals die Möglichkeit bereits im Entwicklungsprozess die bei nasser Fahrbahn im Passiervorgang zu erwartende Blendbeleuchtungsstärke vorherzusagen. Die Berücksichtigung der erzielten Erkenntnisse bei der Auslegung eines adaptiven blendfreien Abblendlichts würde somit eine Erhöhung der Verkehrssicherheit und des Fahrkomforts bedeuten.

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Kleinert, Benedikt: Anforderungen und Bewertungsmethoden für ein adaptives blendfreies Abblendlicht bei spiegelnden Fahrbahnoberflächen. Ilmenau 2017. ilmedia.

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