Quantitative Schnittbildanalyse der mimischen Muskulatur

Volk, Gerd Fabian GND

Welche mimischen Muskeln können durch klinische Ultraschallgeräte reproduzierbar erfasst und vermessen werden? Der M. mentalis, M. depressor anguli oris, M. depressor labii inferioris, M. zygomaticus major, M. orbicularis oris, M. orbicularis oculi, M. procerus, M. nasalis und der M. frontalis sowie der Kaumuskeln M. temporalis und M. masseter sind reproduzierbar darstellbar. Damit sind 9 von 23 mimischen Muskeln immer, und mit dem M. corrugator supercilii, M. levator labii superioris, M. levator labii superioris alaeque nasi, M. buccinator, M. zygomaticus minor und M. risorius 15 von 23 mimischen Muskeln in den meisten Fällen per Sonographie darstellbar. Welche quantitativen Daten lassen sich erfassen und wie hoch ist deren Reliabilität? Die besten Inter-Oberserver-Reliabilitäten zeigten sich bei den Querschnittflächen des M. mentalis, M. depressor anguli oris, M. depressor labii inferioris und M. zygomaticus (ICC in Ruhe ? 0,965) sowie der maximale Durchmesser des M. orbicularis oris, M. orbicularis oculi, und der M. frontalis sowie dem maximalen Durchmesser der Kaumuskeln M. temporalis, M. masseter (ICC in Ruhe ? 0,815). Wie groß sind die darstellbaren mimischen Muskeln? Gibt es Geschlechts- und Altersunterschiede? Gibt es Zusammenhänge mit der Körpergröße, oder dem -gewicht? An Referenzwerte von 140 Freiwilligen im Alter zwischen 21 und 93 Jahren konnte gezeigt werden, dass es keine relevanten Seitenunterschiede bei der mimischen Muskulatur gibt. Es zeigte sich jedoch eine Korrelation zwischen dem Körpergewicht und der Muskelgröße. Im Gegensatz dazu hatte das Alter keinen relevanten Effekt auf die mimischen Muskeln, obwohl bei Hals- und Kaumuskeln eine Abnahme der Muskelgröße im Laufe des Lebens bekannt ist. Ist die Methode geeignet, pathologische Veränderungen der mimischen Muskulatur zu detektieren? Wenn es zu keiner Reinervation kam, zweite sich die deutlichste Abnahme der Querschnittsflächen und Durchmesser um den 3. bis 7. Monat nach Beginn der Fazialisparese. Nach Reinnervation kam es nicht nur zu einer Zunahme der zuvor atrophierten Muskulatur bis zur Angleichung an die gesunde Gegenseite, sondern teilweise deutlich darüber hinaus. Diese Hypertrophie scheint das sonoanatomische Korrelat des klinischen Phänomens des Hyperkinesie bzw. der Synkinesie bei Defektheilung nach axonaler Schädigung und fehlgeleiteter bzw. überschießender Reinnervation des N. fazialis zu sein. Sind 3D-Ultraschall-Aufnahmen der mimischen Muskulatur möglich und enthalten Ihre Daten neue Erkenntnisse, die 2D-Ulraschall-Aufnahmen nicht hätten liefern können? Der M. frontalis, M. orbicularis oculi, M. depressor anguli oris, M. depressor labii inferioris und M. mentalis können erfasst werden und so Volumeninformationen, die sonst nur MRT und CT vorbehalten waren, gewonnen werden. Zukünftige sollte es durch z. B. Freihand-Aufnahmen unter Navigations-Kontrolle möglich sein, noch mehr Muskeln zu vermessen und so die 3D-Sonographie eine echte Alternative zur MRT darstellen. Können auch in MRT-Datensätze die mimischen Muskeln reproduzierbar identifiziert und segmentiert werden? Wenn ja, was ist dafür ein sinnvolles Vorgehen? Ähnlich wie beim Ultraschall, sind auch beim MRT zu dünne oder schlecht abgegrenzte Muskeln nicht zu erfassen. In allen Regionen des Gesichts sind aber ausreichend gut identifizierbare Muskeln vorhanden: Einer im Internet veröffentlichen Anleitung folgend sind der M. frontalis, M. procerus, M. risorius, M. corrugator supercilii, M. orbiculairs oculi, M. nasalis, M. zygomaticus major, M. zygomaticus minor, M. levator labii superior, M. orbicularis oris, M. depressor anguli oris, M. depressor labii inferioris und M. mentalis, sowie die beiden Kaumuskeln M. masseter und M. temporalis reproduzierbar segmentierbar (ICC = 0,82). Korrelieren die in den Bildgebungen gesehenen Veränderungen mit elektrophysiologischen Untersuchungsergebnissen? Wie ergänzen sich diese Methoden? In der klinisch definierten Denervierungsphase zeigten sich Korrelationen zwischen den Ultraschalluntersuchungen des Muskels und den Nadel-EMG-Ergebnissen: Vermehrte Einstichaktivität, das Fehlen von pathologischer Spontanaktivität, vermehrte Willküraktivität und normale Morphologie der Muskelaktionspotentiale korrelierte mit einer höheren Muskelgröße. Mit Blick auf die klinischen Parameter zeigte sich eine negative Korrelation zwischen dem Stennert Parese Index in Ruhe und der Muskeldicke in Ruhe. Nach Schaffung von Referenzwerte bei unterschiedlichen Krankheitsverläufen könnte die Sonographie zukünftige ungünstige Verläufe bereits in den ersten Tagen der Erkrankung erkennen und damit die Therapie beeinflussen.

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Volk, Gerd: Quantitative Schnittbildanalyse der mimischen Muskulatur. Jena 2017.

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