Nicolas de Stae͏̈l : die späten Werke

Chávez, Anja; Stae͏̈l, Nicolas GND

Die Autorin beschäftigt sich erstmals monographisch mit den späten Werken Nicolas de Staëls, die für die Bedeutung des Künstlers eine wichtige Rolle gespielt haben. Schon früh umgab de Staël der Mythos eines legendären Künstlers, der bis heute durch sein Umfeld - bedeutende Kunstkritiker, Kunsthistoriker, Museumsdirektoren und Galeristen - tradiert wurde. Obwohl de Staël zu Beginn der fünfziger Jahre also längst ein etablierter Künstler war, vollzog er mit Beginn der späten Werkphase (1951/52) einen entscheidenden Wandel seines künstlerischen Konzepts. Nach einer ersten Zusammenarbeit mit dem französischen Dichter René Char an Poèmes entstanden in der Folge weitere Buchprojekte, und de Staël arbeitete erstmals an Entwürfen für ein Ballett. Der Künstler bemühte sich nun, die Moderne auf der Basis der 'Tradition' zu erneuern und knüpfte damit an ein nach 1945 verbreitetes künstlerisches Ideal an. In seinem Repertoire traditioneller Motive, etwa der Landschaft und ihrer Wiederholbarkeit, setzte er bei Cezanne an, während er sich für die Abstraktion durch Farbe an Delaunay, dem frühen Kandinsky und Matisse orientierte. In seinen Kunstrezeptionen gelangen ihm 'neue' Formulierungen, wie beispielsweise durch seine Auffassung der Farbe als matière, einem zeitgenössischen Anliegen, zu dem er verschiedene Definitionen fand. Die Innovation verstand de Staël als 'neue' Interpretation der Überlieferung, was vor allem in seinen Kunstrezeptionen und den Wiederholungen eines Bildmotivs deutlich wird. Um den Verlust der Authentizität und Einzigartigkeit eines Kunstwerks wissend, war er in seinen eigenen Arbeiten höchst modern. In Synthesen antithetischer Konzepte suchte de Staël - vielleicht als letzter Künstler seiner Zeit - die Moderne in der Aufhebung von Gegensätzen neu zu formulieren.

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Chávez, Anja / Stae͏̈l, Nicolas: Nicolas de Stae͏̈l. die späten Werke. Weimar 2010. VDG.

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