Periphere sensorische Schwellen bei chronisch unspezifischem Rückenschmerz : eine Querschnittsanalyse mittels Quantitativ Sensorischer Testung

Hüttner, Birgit GND

Der chronische unspezifische Rückenschmerz (CURS) ist nachweislich mit unterschiedlichen pathophysiologischen Veränderungen auf mehreren Ebenen des sensomotorischen Nervensystems verbunden, was auf eine allgemeine Überempfindlichkeit bei CURS-Patienten hindeutet. Vorherige Studien zeigten Veränderungen in den sensorischen Profilen von CURS-Patienten, die mittels Quantitativ Sensorischer Testung (QST) gemessen wurden, aber es wurde nicht spezifisch das QST-Profil der betroffenen, schmerzhaften Körperstelle untersucht. So war das Ziel der vorliegenden Studie, QST-Profile von CURS-Patienten an der Hand sowie am Rücken, dort direkt an der schmerzhaften Stelle, zu untersuchen. Ein weiteres Ziel dieser Studie bestand darin, die Anzeichen einer möglichen allgemein erhöhten Schmerzempfindlichkeit für mechanische Reize bei CURS-Patienten an der Hand und an der schmerzenden Stelle am Rücken zu untersuchen. Es wurde die Quantitativ Sensorische Testung gemäß dem gültigen, standardisierten und validierten Standardprotokoll verwendet, um vierzehn weibliche CURS-Patientinnen und vierzehn gesunde Kontrollprobandinnen zu untersuchen. Die gesunden Kontrollprobandinnen wurden bezüglich Geschlecht, Alter, BMI, Händigkeit, Körpergröße, Körpergewicht und Bildungsstand zu den CURS-Patientinnen parallelisiert. Die QST-Profile sowie insbesondere die Reiz-Antwort-Funktionen auf die Nadelreizstimulation auf der Haut wurden an der betroffenen schmerzhaften Stelle am Rücken und an den Referenzstellen (Handinnenseite und Handrücken) untersucht. Die Daten der CURS-Patientinnen wurden mit den Daten der gesunden Kontrollgruppe und mit Referenzdaten des Deutschen Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS) verglichen. Es zeigten sich erhöhte Detektionsschwellen für alle Arten von nichtnozizeptiven Stimuli ebenso wie verminderte Schmerzschwellen bei den CURS-Patientinnen. Weiterhin konnten signifikante Unterschiede bei den Reiz-Antwort-Funktionen zwischen den CURS-Patientinnen und den gesunden Kontrollpersonen festgestellt werden. Die CURS-Patientinnen stuften ihr Schmerzempfinden bezüglich der Nadelstiche bei leichten und mittelstarken Nadelstichreizen höher ein. Vor allem wurde diese Form der spezifischen Nadelstich-Hyperalgesie nicht nur an der betroffenen schmerzhaften Körperstelle (Rücken), sondern auch an den entfernen Referenzstellen (Handrücken und Handinnenseite) beobachtet. Wichtig ist hierbei, dass es statistisch keine Wechselwirkung zwischen der untersuchten Stelle und der Gruppe gab, d. h. die Schwellen waren an beiden Orten verändert: An der betroffenen schmerzhaften Körperstelle (Rücken) und an den entfernten Referenzstellen der Hand. Die Daten demonstrieren klar eine nichtspezifisch veränderte Empfindlichkeit bei CURS-Patienten. Die Ergebnisse werden als hinweisend für Veränderungen im nozizeptiven System bei CURS-Patienten interpretiert, hierbei auf höheren Ebenen der Neuralachse, also möglicherweise im Bereich des Thalamus und/oder der Aufmerksamkeitskontrolle, anstatt auf Veränderungen bei der spinalen Verarbeitung. Alternativ könnten die Resultate aber auch auf eine höhere Anfälligkeit gegenüber schädlichen bzw. schmerzhaften Stimulationen bei CURS hinweisen.

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Hüttner, Birgit: Periphere sensorische Schwellen bei chronisch unspezifischem Rückenschmerz. eine Querschnittsanalyse mittels Quantitativ Sensorischer Testung. Jena 2016.

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