Mikrogliaknötchen und diffuse Aktivierung von Mikroglia im Rahmen der Sepsis

Krämer, Renata GND

Bislang existieren nur wenige Beschreibungen charakteristischer Hirnveränderungen und neuropathologischer Befunde im Rahmen der Sepsis. Eine zentrale Bedeutung in der Pathogenese der septischen Enzephalopathie wird jedoch der Zellpopulation der Mikroglia zugesprochen. Neben ihrer Stütz- und Haltefunktion im Nervengewebe sind sie als immunkompetente residente Makrophagen an einer Vielzahl pathologischer Prozesse im Zentralnervensystem (ZNS) beteiligt. So kommt es auch im Rahmen von Entzündungsprozessen zu einer Aktivierung von Mikroglia, was sowohl morphologische als auch immunphänotypische Veränderungen der Zellen zur Folge hat. Eine verstärkte diffuse Aktivierung konnte bereits bei Sepsispatienten mit Hilfe unterschiedlicher Methoden gezeigt werden, wobei jedoch bisher der ideale Marker zu Darstellung aktivierter Mikroglia fehlt. Darüber hinaus wird aktuell der Stellenwert von Mikrogliaknötchen als mögliches morphologisches Korrelat und frühes Anzeichen eines septischen Geschehens diskutiert. Zunächst sollte im Rahmen der Arbeit die Hypothese geprüft werden, ob das Auftreten von Mikrogliaknötchen gehäuft mit dem Krankheitsbild einer Sepsis assoziiert ist und ob sich die Hirnregion der Medulla oblongata als Prädilektionsort für das Auftreten von Mikrogliaknötchen bestätigt. Mit Hilfe immunhistochemischer Methoden sollte außerdem das Auffinden von Mikrogliaknötchen erleichtert und die Häufigkeit im Vergleich zur Routine-HE-Färbung beurteilt werden. Darüber hinaus sollte mittels morphometrischer Verfahren untersucht werden, ob Patienten mit Mikrogliaknötchen zudem eine verstärkte diffuse Aktivierung von Mikroglia aufweisen und welcher Marker zur Darstellung diffuser aktivierter Mikroglia am besten geeignet ist. Letztlich sollte die Frage beantwortet werden, ob es im Rahmen eines septischen Geschehens zu charakteristischen Hirnveränderungen kommt, die sich für eine Klassifikation zur postmortalen Sepsisdiagnostik eignen. Im Zeitraum von 2007 bis 2012 wurden aus dem Dokumentationssystem des Instituts für Pathologie der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena alle Gehirne selektiert, bei denen in der HE-Färbung Mikrogliaknötchen nachweisbar waren. Daraufhin erfolgte eine Analyse der Lokalisation der Mikrogliaknötchen. In einer Fall-Kontroll-Studie wurde anschließend das Hirngewebe aus dem Bereich der Medulla oblongata von Patienten mit Mikrogliaknötchen mit Patienten ohne Mikrogliaknötchen verglichen. Alle Untersuchungen erfolgten an formalinfixiertem und paraffineingebettetem Hirngewebe, welches im Rahmen von Autopsien entnommen wurde. Neben Routine-HE-Färbungen wurden die Mikroglia mit Hilfe immunhistochemischer Verfahren über die Expression von HLA-Klasse-II-Antigenen, CD68 und CD163 identifiziert. Es erfolgte sowohl eine Quantifizierung der Mikrogliaknötchen als auch eine Beurteilung der diffusen mikroglialen Aktivierung anhand einer morphometrisch ermittelten Zelldichte. Zusätzlich wurden klinische Angaben sowie Sektionsbefunde studiert, um die Assoziation der klinischen und autoptischen Befunde bezüglich einer Sepsis mit dem Auftreten von Mikrogliaknötchen zu untersuchen. Darüber hinaus wurden wichtige zentralnervöse Begleiterkrankungen erfasst und deren Einfluss auf die angewandten Untersuchungsmethoden untersucht.

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Krämer, Renata: Mikrogliaknötchen und diffuse Aktivierung von Mikroglia im Rahmen der Sepsis. gw 2016.

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