Untersuchungen zur Antikörperprävalenz von Influenza A und B bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland mittels differenter Enzyme-linked Immunosorbent Assays

Langenhan, Tobias GND

Die Influenza, insbesondere durch Viren des Typs A, gilt als eine der größten Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit mit jährlich über einer Milliarde Infizierten weltweit. Ein besonders hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe besteht bei älteren Personen über 60 Jahren, Personen mit chronischen Erkrankungen sowie bei Kindern und Jugendlichen. Letztere weisen die höchsten Infektionsraten während Epidemien auf und gelten somit als Hauptüberträger der Influenza. Die Influenzaschutzimpfung stellt aktuell die wirksamste prophylaktische Maßnahme gegen die Influenza dar. Eine allgemeine Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche wird in Deutschland nicht empfohlen. Ziel der Arbeit war die Ermittlung der Prävalenz Influenzavirus A (IVA)- und Influenzavirus B (IVB)-spezifischer, subtypenunabhängiger Immunglobulin G (IgG)-Antikörper bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren in Deutschland mittels kommerziell vertriebener Enzyme-linked Immunosorbent Assays (ELISA) der Firmen NovaTec, Euroimmun und IBL. Die Studiengruppe setzte sich aus 1.665 Serumroben von 8 Kinderkliniken und einem diagnostischem Zentrum zusammen. Als Kontroll- bzw. Vergleichsgruppe dienten 400 Blutspender aus Hannover und Münster im Alter von 18 bis 65 Jahren. Ausgangspunkt war die qualitative und semiquantitative Bestimmung virusspezifischer IgG-Antikörper. Dabei sollte aufgezeigt werden, inwieweit sich die Assays zur Seroprävalenzbestimmung eignen und wie stark die einzelnen Tests miteinander korrelieren. Darüber hinaus war die Seroprävalenz in Abhängigkeit von der Herkunft der Kinder bzw. Jugendlichen und deren Impfstatus zu ermitteln. Auch Vergleiche von Antikörperprävalenz und Antikörperkonzentration zwischen den Alters- und Geschlechtsgruppen der Studiengruppe sowie zwischen Studien- und Kontrollgruppe sollten vorgenommen werden. Im Ergebnis konnten für die einzelnen IVA-IgG-ELISAs Gesamtseroprävalenzen der Studien- und Kontrollgruppe ermittelt werden, die deutliche Unterschiede im Vergleich zeigten: Euroimmun 61,8%, NovaTec 70,3% und IBL 89,3%. Die IVB-IgG-ELISAs wiesen hinsichtlich der Gesamtseroprävalenz sogar noch deutlich größere Diskrepanzen auf: NovaTec 10,0%, IBL 42,5% und Euroimmun 56,9%. Diese Unterschiede bestanden ebenso bei den mittleren Antikörperkonzentrationen von Studien- und Kontrollgruppe: NovaTec 17,58 NTU/ml, Euroimmun 59,83 RE/ml und IBL 62,07 U/ml für IVA; NovaTec 4,73 NTU/ml, IBL 18,41 U/ml und Euroimmun 67,70 RE/ml für IVB. Für alle eingesetzten ELISAs waren die Seroprävalenzen bei Geimpften signifikant höher als bei Ungeimpften (p<0.05). Im Vergleich der einzelnen IVA- bzw. IVB-IgG-ELISAs untereinander mittels Kappa-Test ergaben sich nur geringe Korrelationen (kappa ≤ 0.4). Lediglich für die IVB-IgG-ELISAs von Euroimmun und IBL war eine gute Übereinstimmung festzustellen (kappa=0.716). Aufgrund von Analysen zur Sensitivität und Kreuzreaktivität sowie von Literaturvergleichen wurden zur Dokumentation der IVA-Seroprävalenz der ELISA von IBL und für die IVB-Seroprävalenz der ELISA von Euroimmun verwendet. Die Seroprävalenz der Influenza A betrug 87,6% innerhalb der Studiengruppe der Kinder und Jugendlichen und 96,3% bei der Erwachsenen-Kontrollgruppe. In der Studiengruppe stieg die Seroprävalenz signifikant mit dem Alter an. Kinder im Alter von 0-6 Jahren hatten eine signifikant niedrigere und Kinder im Alter von 13-14 Jahren eine signifikant höhere Seroprävalenz als die erwachsenen Kontrollen. Die mittlere Antikörperkonzentration lag in der Studiengruppe bei 59,95 U/ml, in der Kontrollgruppe bei 72,02 U/ml. Die Konzentration stieg signifikant bis zum Alter von 17 Jahren. Die mittlere Antikörperkonzentration war bei 0- bis 6-Jährigen signifikant niedriger und bei 11- bis 17-Jährigen signifikant höher als in der Kontrollgruppe. Die Seroprävalenz für Influenza B betrug 47% innerhalb der Studiengruppe und 98% bei den Kontrollprobanden. Sowohl in der Studien- als auch der Kontrollgruppe stieg die Seroprävalenz signifikant mit dem Alter. Die Seroprävalenz war bei Kindern und Jugendlichen aller Altersgruppen signifikant niedriger als in der Gesamtpopulation der erwachsenen Kontrollen. Es wurden auch deutliche regionale Differenzen bezüglich der IVB-Seroprävalenz festgestellt. Die mittlere Antikörperkonzentration lag in der Studiengruppe bei 54,67 RE/ml, in der Kontrollgruppe bei 119,31 RE/ml. Die Konzentration stieg signifikant bis zum Alter von 17 Jahren und war in der Studiengruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (p<0.001). Schlussfolgernd lässt sich festhalten, dass der Einsatz von ELISAs für die Detektion subtypenunabhängiger IVA-/IVB-spezifischer IgG-Antikörper eine sensitive und kostengünstige Methode darstellt, die für große Seroprävalenzstudien geeignet ist. Allerdings zeigen kommerziell vertriebene IVA- und IVB-IgG-ELISAs große Differenzen hinsichtlich ihrer Sensitivität. Aus diesem Grunde sollten diese Teste vor ihrem Einsatz evaluiert werden. Die ermittelten Influenza-Seroprävalenzen ermöglichen Schlussfolgerungen für die Durchführung der Influenzaschutzimpfung im Kindesalter.

Zitieren

Zitierform:

Langenhan, Tobias: Untersuchungen zur Antikörperprävalenz von Influenza A und B bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland mittels differenter Enzyme-linked Immunosorbent Assays. 2015.

Zugriffsstatistik

Gesamt:
Volltextzugriffe:
Metadatenansicht:
12 Monate:
Volltextzugriffe:
Metadatenansicht:

Grafik öffnen

Export