Perzeptionsschulung im Englischunterricht an der Grundschule und orthographische Einflüsse auf die phonologische Repräsentation : Empirische Ergebnisse und Überlegungen

Piszczan, Theresia

Englischunterricht ist in Thüringen ab Klasse 3 verpflichtend. Der aktuelle Lehrplan sieht vor, bei den EnglischlernerInnen in der Grundschule nicht nur die Fähigkeiten des Hörens und Sprechens, sondern auch des Lesens und Schreibens zu entwickeln. FachdidaktikerInnen diskutieren die Vor- und Nachteile des früh- oder gar gleichzeitigen Einführens von Schrift in der Fremdsprache kontrovers und die empirischen Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet sind defizitär. Gleichzeitig kommen Ausführungen zum Aussprachetraining im Lehrplan, in den Fachdidaktiken und in den Lehrwerken zu kurz. Die Schulung des Gehörs als eine Grundlage für eine gute Aussprache findet noch weniger Erwähnung und ist nur selten Bestandteil des Unterrichts. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit konnte anhand eines Experiments mit Thüringer GrundschülerInnen demonstriert werden, dass die Fähigkeit zum Unterscheiden schwieriger Laute auf relativ einfache und effektive Weise im Grundschulunterricht trainiert werden kann. Bereits im Laufe einer kurzen Trainingssequenz zeigte sich bei den getesteten Thüringer DrittklässlerInnen eine verbesserte Fähigkeit zur Diskrimination des englischen Vokalkontrasts [æ-ε]. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass die Diskriminationsfähigkeit dieses Kontrastes besser ausgebildet ist als die des ebenfalls schwierigen Kontrastes [v-w]. Die Kinder konnten bei diesem Kontrast ihre Leistung im Laufe des Experiments nicht verbessern. Für beide Kontraste kann weiterhin festgehalten werden, dass das zeitgleiche Präsentieren der Wörter in auditiver und schriftlicher Form keinen Einfluss auf die Diskriminationsleistung hatte. Die Ergebnisse der Untersuchung sprechen dafür, dass die Integration von Lautdiskriminationsaufgaben im Unterricht eine positive Rolle bei der Entwicklung der Aussprachefähigkeiten spielen kann. Ein weiterer Teil der vorliegenden Arbeit befasst sich mit theoretischen Betrachtungen zum Lesen und Schreiben im Grundschulenglischunterricht. Aus ihnen geht hervor, dass die meisten fachdidaktischen Empfehlungen nur auf Annahmen beruhen und erst innerhalb der letzten Jahre die empirische Forschung auf diesem Gebiet zunimmt. Darüber hinaus mangelt es an konkreten Empfehlungen, wie man die Lesefähigkeit in der Fremdsprache Englisch entwickeln kann. Mit Hilfe eines zweiten Experiments sollte überprüft werden, welche Auswirkung geschriebene Wörter - vor allem solche, die stark von den Graphem-Phonem-Korrespondenzen (GPKs) des Deutschen abweichen - auf die kurzzeitige Behaltensleistung der Kinder haben. Dabei wurden die Ergebnisse von Tests miteinander verglichen, in denen Wortpaare a) nur auditiv präsentiert wurden, b) in denen ein Wort von der deutschen GPK extrem abwich und c) in denen die Wörter eher einer deutschen GPK entsprachen. Die Ergebnisse dieses Experiments sprechen weder für einen förderlichen Einfluss des geschriebenen Wortes auf die Behaltensleistung, noch ist zu erkennen, dass sich vom Deutschen stark abweichende GPKs hinderlich auf die Behaltensleistung auswirken. Da die SchülerInnen jedoch in diesem Experiment in allen Bedingungen kaum Fehler machten, scheinen die ausbleibenden Effekte methodisch begründet zu sein.

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Piszczan, Theresia: Perzeptionsschulung im Englischunterricht an der Grundschule und orthographische Einflüsse auf die phonologische Repräsentation. Empirische Ergebnisse und Überlegungen. 2014.

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