Die Prävalenz der chronischen Rhinosinusitis und die Besiedlung der oberen und unteren Atemwege mit Pseudomonas aeruginosa und anderen Problemkeimen bei Patienten mit zystischer Fibrose

Schien, Matthias

Wissenschaftlicher Hintergrund Während die Pankreasinsuffizienz und die fortschreitende Lungenzerstörung im Mittelpunkt der CF-Forschung standen, fand die Beteiligung der Nase und Nasennebenhöhlen (NNH) bisher nur wenig Beachtung. Sie wurde als begleitende Bagatellerkrankung gesehen. Inwieweit die chronische Rhinosinusitis (CRS) neben der Einschränkung der Lebensqualität auch Malnutrition und pulmonale Destruktion fördert, ob die NNH ein relevanter Ort für eine Erstbesiedlung mit verschiedenen Problemkeimen sind und ob die CRS deren Persistenz begünstigt, ist nicht ausreichend untersucht. Bekannt ist, dass Keime wie Pseudomonas (P.) aeruginosa und Staphylococcus (S.) aureus wesentlich am Fortschreiten der pulmonalen Destruktion und damit der deutlich verkürzten Lebenserwartung von CF-Patienten beteiligt sind. Strukturierte und validierte konservative Behandlungskonzepte gibt es nur wenige. Dabei zeigten Walter et al. 1997 schon 1997 an lungentransplantierten CF-Patienten, dass die primär nicht besiedelte Transplantatlunge nach kurzer Zeit mit identischen P. aeruginosa Stämmen besiedelt wird, wie das explantierte Organ. Die Autoren postulierten ein bakterielles Reservoir in den NNH und/oder der Trachea. Trotz weiterer Publikationen mit gleichem Ergebnis bleibt die Interaktion zwischen oberen und unteren Atemwegen oft übersehen und unterbewertet. Fragestellung und Ziele Evaluation verschiedener nichtinvasiver Methoden zur Gewinnung von Material aus beiden Atemwegsetagen. Welche Keime sind in den oberen Atemwegen zu finden? Wie häufig findet man bei pulmonal besiedelten Patienten den Keim auch in der Nase und sind diese im Falle von P. aeruginosa und S. aureus genetisch identisch? Wieviele Patienten zeigen nach den EPOS-Kriterien (European position paper on rhinosinusitis and nasal polyps 2007) eine CRS und wie stark fühlen sich die Patienten aktuell belastet? Wie häufig wurden CF-Patienten im Bereich der Nase operiert? Methodik Wir führten eine multizentrische interdisziplinäre Querschnittsstudie an fünf deutschen Mukoviszidosezentren mit insgesamt 187 CF-Patienten im Alter von 4 Monaten bis 68 Jahren durch. Neben anamnestischen und demografischen Daten wurden Lungenfunktionsparameter erhoben, Fragebögen zu den Beschwerden ausgewertet und mikrobiologische Untersuchungen von nasalen Lavagen, Nasen- und Rachenabstrichen, Sputum- und Schnaubpräparaten durchgeführt. Bei Nachweis von P. aeruginosa oder S. aureus in beiden Kompartimenten, wurde die Verwandtschaft genotypologisch untersucht. Ergebnisse Bei etwas über 5 % der Patienten wurde man erst durch rhinosinusitische Probleme auf die CF aufmerksam, 42,2 % waren bereits an der Nase und/oder den NNH operiert. Fast 19 % unserer CF-Patienten fallen in eine Beschwerdegruppe mit mittel- bis hochgradigen bzw. hoch- und höchstgradige Beschwerden. Bei Anwendung der EPOS-Kriterien nach klinischen Gesichtspunkten leiden in unserem Studienkollektiv 31% der Patienten an einer chronischen RS und 34% unter einer akuten bzw. intermittierenden RS. Bei einer Vielzahl von Patienten waren die Keime aus den unteren auch in den oberen Atemwegen nachweisbar. In der nasalen Lavage von mit P. aeruginosa dauerbesiedelten Patienten war bei 55,6 % der Fälle der Keim auch nasal nachweisbar, beim Nasenabstrich und beim Schnaubpräparat gelang das wesentlich seltener. 96 % der untersuchten Paare (obere und untere Atemwege) waren genetisch identisch. Auch bei pulmonal S. aureus – dauerbesiedelten Patienten fand sich bei 52,7 % der Fälle S. aureus in der nasalen Lavage. Die S. aureus – Paare aus beiden Kompartimenten waren zu 86 % auch hier genetisch identisch. Bei beiden Keimen ist die Gruppe der dauerbesiedelten Patienten häufiger nasal operiert als nicht besiedelte Patienten, bei S. aureus sind diese Effekte stärker ausgeprägt und signifikant. Die mit P. aeruginosa-dauerbesiedelten Patienten waren signifikant seltener mit S. aureus dauerbesiedelt und hatten signifikant seltener einen positiven S. aureus-Nachweis in den oberen oder unteren Atemwegen. Schlussfolgerungen CF-Patienten weisen viel häufiger als bisher angenommen Symptome einer CRS auf. Auch nach operativer Behandlung konnte zum Zeitpunkt der Studie nur teilweise eine Reduktion der Symptomatik beobachtet werden. Durch ständige Entzündungen können Bakterien länger in den oberen Atemwegen persistieren. Die Nase und die Nasennebenhöhlen stellen sowohl eine Eintrittspforte, als auch ein chronisches Reservoir für die Erreger tieferer Atemwegsinfektionen dar. Pulmonal mit P. aeruginosa oder S. aureus dauerbesiedelte Patienten hatten in mehr als 50 % der Fälle den Keim auch in der Nase, fast immer waren die gefundenen Keime genetisch identisch. Die nasale Lavage ist die, im Vergleich mit den anderen untersuchten nichtinvasiven Techniken am Besten geeignete Untersuchungs- und Screeningmethode auf Krankheitserreger in den oberen Atemwegen, die den Patienten weniger belastet als NNH-Punktionen und gleichzeitig dem einfachen Nasenabstrich überlegen ist. Neue Untersuchungen zum Vergleich der Methoden und das Beobachten der Patienten in Längsschnittstudien könnten weitere wichtige Erkenntnisse liefern. Moderne Therapieverfahren sollten den oberen Respirationstrakt nicht ausschließen und der Keimreduktion dienen.

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Schien, Matthias: Die Prävalenz der chronischen Rhinosinusitis und die Besiedlung der oberen und unteren Atemwege mit Pseudomonas aeruginosa und anderen Problemkeimen bei Patienten mit zystischer Fibrose. 2013.

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