„Für mich persönlich hat sich wahnsinnig viel geändert“ - Untersuchungen zur Kooperation in Schulen

Ahlgrimm, Frederik

In der vorliegenden Studie wird der Versuch unternommen, die Bedeutung von Kooperation für die Organisation Schule zu ergründen. Dazu werden das Wesen der Organisation Schule vor dem Hintergrund des Organisationsstrukturmodells von Henry Mintzberg und insbesondere die Bedeutung von Arbeitsteilung, Kopplung und Zusammenarbeit theoretisch erörtert. Im Weiteren werden unterschiedliche Auffassungen von Kooperation vorgestellt und unterschieden. Der Stand der Forschung zur Bedeutung von Kooperation für die Qualität und Entwicklung von Schulen, zu Strukturen sowie zu Bedingungen und der Entwicklung von Kooperation in Schulen wird analysiert und dargestellt. Aus identifizierten Forschungsdesideraten werden Fragen zu Organisationsformen, Intensität, Bedingungen und Voraussetzungen, Entwicklung und Gestaltung von Kooperation formuliert, ebenso zu Veränderungen durch Zusammenarbeit und zur Bedeutung von Schulleitung für die Gestaltung von Zusammenarbeit. Zum Schluss der theoretischen Erwägungen wird die Bedeutung von Kooperation für die Organisation Schule diskutiert. Eine Fragebogenerhebung des pädagogischen Personals an 15 allgemeinbildenden Schulen (N=519) in einer deutschen Großstadt sowie Interviews mit Schulleitungsmitgliedern und Lehrkräften (N=47) an 14 dieser Schulen, die größtenteils in Form von Gruppeninterviews, teilweise als Einzelinterviews geführt wurden, bilden die empirische Basis für die Untersuchungen. Die Fragebogendaten wurden überwiegend deskriptiv ausgewertet und dienten insbesondere dem Vergleich der Schulen. Die leitfadengestützten Interviews wurden gemäß der strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Als Ergebnis wird dargestellt, welche Formen der Zusammenarbeit in Schulen sich als besonders geeignet erweisen und wie diese in der Praxis entwickelt werden. Dabei wird der Schulleitung eine zentrale Rolle zugewiesen: Durch das Handeln der Schulleitung allein kommt keine Zusammenarbeit in der Schule zustande – aber ohne entsprechendes Schulleitungshandeln kann keine Zusammenarbeit entstehen. Daneben werden weitere Voraussetzungen dargestellt, die sich förderlich und hinderlich auf die Kooperation in Schulen auswirken; besonderes Augenmerk erfahren dabei die Professionalisierung und das Professionsverständnis von Lehrkräften. Es wird gezeigt, dass sich aus der Zusammenarbeit in Schulen fundamentale Veränderungen in der Unterrichtspraxis und im Selbstverständnis von Lehrkräften ergeben können. Aufgrund der differenzierten Schlussfolgerungen kommt der Autor zu folgendem Fazit: Kooperation bietet ein großes Potenzial für die Qualität und die Entwicklung der Organisation Schule und kann als eine notwendige, jedoch nicht hinreichende Bedingung für die erfolgreiche Entwicklung von Schulen bezeichnet werden. Kooperation in der Schule wird letztlich als eines unter anderen wichtigen Elementen in der Schulentwicklung verortet.

In the present study, we explore the meaning of cooperation in schools. To this end, we undertake a theoretical examination of schools as organizations through the prism of Henry Mintzberg’s framework of organizational configurations, examining in particular the meanings of division of labour, coupling and collaboration in this context. We then present and contrast different conceptions of cooperation. We analyze the current state of research on both the significance of cooperation on the quality and development of schools, on structures and conditions, and on the development of cooperation in schools. In response to previously identified research objectives, we formulate questions about organizational models, intensity, conditions and preconditions, development and arrangement of collaborative working, as well as the changes which can be effected through collaboration, and the impact of school management on establishing collaborative working practices. To conclude our theoretical deliberations, we discuss the impact of cooperation on schools as organizations. The empirical foundations for this study are provided by a survey that was carried out of the teaching staff of 15 schools providing general education in a German city (N=519), together with interviews with members of the school management team and teachers in 14 of these schools (N=47). The majority of these took the form of group interviews, with some individual interviews. The results of the questionnaires are evaluated largely descriptively, and serve in particular for drawing comparisons between the different schools. The scripted interviews are analyzed following Mayring’s technique for structured qualitative content analysis. The results presented show which forms of collaboration in schools have proved to be most appropriate, and how these have developed in practice. In this, a central role is ascribed to the school management: collaborative work does not come to rise through the actions of the school management alone, but without the necessary actions on the part of the school management, no collaborations will take place. Other preconditions are also presented, which are either conducive to or obstructive of the establishment of collaborations in schools; the professional development and the job conception of teaching staff are of particular interest. We show that collaborative working in schools can give rise to fundamental changes in teaching practice and in the self-conception of teachers. On the basis of diverse lines of reasoning, we conclude that collaborative working practices offer great potential for contributing to the quality and the development of schools, and can be termed a necessary but not sufficient condition for the successful development of a school. In sum, cooperation is found to be one of several important contribut-ing factors in the development of a school.

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Ahlgrimm, Frederik: „Für mich persönlich hat sich wahnsinnig viel geändert“ - Untersuchungen zur Kooperation in Schulen. 2011.

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