Gemeinsam auf dem Weg zum Beruf. Intervention zur Förderung berufswahlrelevanter Kompetenzen von Schülern durch den Elterneinbezug in die Schule

Mayhack, Kerstin

Die vorliegende Arbeit stellt die Entwicklung, Implementierung und Evaluation einer Interventionsmaßnahme zur Unterstützung der Berufswahlbereitschaft Jugendlicher durch den Elterneinbezug in die Schule vor. Jugendliche von der siebten bis zur neunten Klasse trainierten Kompetenzen, die den längerfristigen Prozess der Suche nach einem passenden Beruf unterstützen. Insbesondere die berufsbezogene Planung, Exploration und Selbstwirksamkeit sind zentrale, diesen Entwicklungsprozess fördernde Dimensionen der sogenannten Berufswahlbereitschaft (Herr, Cramer & Niles, 2004; Savickas, 2005). Innerhalb der Interventionsstudie lag der Schwerpunkt nicht auf dem gesamten Berufswahlprozess sondern auf der gezielten Vor- und Nachbereitung des Schülerbetriebspraktikums, durch die Unterstützung von Eltern und Lehrer. Es sollte untersucht werden, ob Veränderungen im Lehrerverhalten innerhalb der Interventionsmaßnahme mit Veränderungen im berufsbezogenen Schülerverhalten und in der Elternwahrnehmung einhergehen. Theoretisch basiert die Intervention auf der Annahme, dass sich durch eine enge Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern positive Konsequenzen für die allgemeine schulische Entwicklung Heranwachsender ergeben (Bronfenbrenner, 1981; Eccles & Harold, 1996; Epstein, 1992). Dementsprechend erbringen Heranwachsende durch die Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern ihren kognitiven Möglichkeiten entsprechende Schulleistungen, nehmen schulische Inhalte ernst, entwickeln insgesamt eine positive Haltung dem schulischen Lernen und der Institution Schule gegenüber und steigern ihre Zufriedenheit im Unterricht (Coleman, Campbell, Hobson, MCPartland, Mood, Weinfeld & York, 1966; Cotton & Wikelund, 2000; DIPF, 2006; Epstein, 1986; Griffith, 1996; Krumm, 1995; Neuenschwander, Balmer, Gasser-Dutoit, Goltz, Hirt, Ryser & Wartenweiler, 2005). Der theoretische Ansatz der ökologischen Systemtheorie bildet die Basis für das Verständnis der Entwicklung Jugendlicher (Bronfenbrenner, 1981). Auf die berufliche Laufbahn bezogen folgt Savickas in der „Career Construction Theory“ (2005) der Annahme, dass die berufliche Laufbahn aktiv von den Individuen konstruiert und gestaltet wird. Zur Bewältigung diverser Entwicklungsaufgaben ist es hilfreich, wenn den Heranwachsenden die Unterstützung wichtiger Bezugspersonen zur Verfügung steht. Diese zwei theoretischen Ansätze von Bronfenbrenner und Savickas werden als Rahmentheorien für den Forschungsbereich der vorliegenden Arbeit angesehen. Aufgrund ihrer allgemeinen Ausrichtung sind sie nicht geeignet, konkrete Vorhersagen abzuleiten. Zur Konkretisierung der Vorhersagen und Integration der zwei Rahmentheorien wird ergänzend das "Model of the influences on and consequences of parent involvement in the schools” (Eccles & Harold, 1996) herangezogen. Die berufliche Entwicklung des Individuums in Interaktion mit den Sozialisationsinstanzen Familie und Schule wurde innerhalb der Forschung bislang wenig betrachtet (Krumm, 1996; Neuenschwander et al., 2005; Pekrun, 2001). Die vorliegende Studie unternimmt durch die Betrachtung beider Bereiche einen ersten Schritt um diese Lücke zu schließen. Konkret wird der Frage nachgegangen, inwiefern es für die Berufswahlbereitschaft Jugendlicher hilfreich ist, wenn sie erleben, dass ihre Eltern in schulische Aktivitäten zur Berufsorientierung eingebunden werden. Diese Eingebundenheit der Eltern wird als ein von Lehrern initiierter Austausch mit Eltern über aktuelle schulische Berufsorientierungsaktivitäten operationalisiert (Elterneinbezug). Lehrer wurden trainiert, das Schülerbetriebspraktikum innerhalb der Interventionsmaßnahme gezielt vor- und nachzubereiten und dabei die Eltern mit einzu-beziehen. Die Entwicklung der Maßnahme basiert auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen. Dabei wurden (1) allgemeine Gütekriterien für Interventionsmaßnahmen und (2) Richtlinien zur Gestaltung von Trainings innerhalb der Entwicklung der eigenen Intervention berücksichtigt und umgesetzt. Die Qualität von Interventionsprogrammen wird erstens durch sieben Kriterien zur wissenschaftlichen Fundierung von Interventionsmaßnahmen (z.B. theoretische Fundierung, Bewährung in der Praxis, Verlässlichkeit der Wirksamkeit unter Standardrandbedingungen) beurteilt (Hager & Hasselhorn, 2000; Mittag & Hager; 1998). Neben den allgemeinen Gütekriterien wurden zweitens Richtlinien zur themenspezifischen Gestaltung innerhalb der Entwicklung der Intervention berücksichtig (Lipowsky, 2004; Wahl, 2002), genauer eine angemessene zeitliche Erstreckung, die passenden Lernformen sowie die Nachhaltigkeit im Bereich der Einstellungs- und Verhaltensänderung. Die Wirksamkeitsüberprüfung der vorliegenden quasiexperimentellen Studie im Prä-Post-Kontrollgruppendesign unterteilt sich in eine Prozess- und eine Ergebnisevaluation. Im Rahmen der Prozessevaluation wurde überprüft, wie die Teil-nehmer die Umsetzung und Ausführung der zwei Trainingsbausteine bewerteten. Die Teilnehmer sollten einschätzen, a) ob die angestrebten Lernziele des Trainings erreicht werden, b) wie das Programm akzeptiert wird (Motivation, Nützlichkeit und Wert der Inhalte) und c) wie die Güte der Trainingsdurchführung durch die Lehrer eingeschätzt wird. Innerhalb der Ergebnisevaluation wurde betrachtet, wie die Er-reichbarkeit der Zielumsetzung von Schülern und Eltern eingeschätzt wurde. Konkret wurde untersucht, ob sich (1) bei Schülern und Eltern verschiedene Trainings-variablen (Exploration, Planung, Selbstwirksamkeit, Elterneinbezug) und Nebenprodukte (z.B. berufsbezogenen Unterstützungsleistungen der Lehrer) durch die Teilnahme an der Maßnahme erhöhen. Es wurde (2) betrachtet, ob sich bei den Schülern die am Training teilnahmen und dieses positiv bewerteten, ein Anstieg der Trainingsvariablen und Nebenprodukte ausmachen lässt. Außerdem wurde untersucht, wie (3) das Training mit dem Erleben und dem Nutzen des Praktikums zusammenhing, d.h. ob die Schüler der Interventionsgruppen das Praktikum besser bewerteten als die Schüler der Kontrollgruppen und ob sich (4) eventuelle Vorbedingungen positiv auf die Durchführung des Trainings auswirkten.

When major socialization agents, such as parents and teachers, cooperate children and adolescents show adaptive developmental outcomes. Previous research separately investigated school and family influences in adolescent vocational development. The aim of the present intervention study was to examine teachers’ and parents’ joint impact concerning career choice readiness, called teacher initiated parental influence in career choice. Students attending 7th, 8th and 9th grade of German lower track schools reported the amount of parent and teacher support in vocational development, the parental influence in career choice initiated by their teachers, and their perceived career choice readiness (career exploration, vocational planning strategies, career-choice self-efficacy). The results confirm that adolescents show stronger exploration activities and higher planning strategies when they perceive high parent and teacher support as well as high parent involvement in career choice at school.

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Mayhack, Kerstin: Gemeinsam auf dem Weg zum Beruf. Intervention zur Förderung berufswahlrelevanter Kompetenzen von Schülern durch den Elterneinbezug in die Schule. 2011.

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