Zur Güte von Beschreibungsmodellen - eine erkenntnistheoretische Untersuchung

Richter, Magnus GND

Wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung liegt ein Denken in Modellen zugrunde. Um dem wissenschaftlichen Anspruch nach Wahrheit gerecht zu werden, ist es erforderlich, Modelle hinsichtlich ihrer Güte zu beurteilen. Während für empirische Theorien zahlreiche (zumeist statistische) Gütemaße existieren, endet die Suche nach Gütekriterien für Beschreibungsmodelle jedoch ernüchternd. Das Ziel des vorliegenden Arbeitsberichts ist es aufzuzeigen, ob bzw. auf welche Weise die Güte von Beschreibungsmodellen beurteilt werden kann und welche wissenschaftstheoretischen Probleme dabei auftreten. Zunächst wird der Modellbegriff definiert und ein ganzheitlicher Systematisierungsrahmen für Modelle entwickelt. Dieser soll Anwender von Modellen dazu befähigt, Modelle mithilfe von Merkmalen zu kennzeichnen und in den Systematisierungsrahmen einzuordnen. Anhand eines Zahlenbeispiels wird anschließend illustriert, dass z. B. die Unterscheidung zwischen Erklärungs- und Prognosemodellen eindeutig nur bei Kenntnis der zugrundeliegenden Zielsetzung möglich ist. In Anlehnung an die strukturalistische Theorienkonzeption wird zudem gezeigt, dass Beschreibungsmodelle verhältnismäßig leicht – z. B. durch bloße Neudefinition der epistemischen Funktion ihrer Elemente – zu Erklärungs- bzw. Prognosemodellen ausgebaut werden können. Trotz ihrer strukturellen Ähnlichkeit erscheint es jedoch nicht sinnvoll, Gütekriterien für Theorien auch auf Beschreibungsmodelle anzuwenden. Im Hauptkapitel der Arbeit wird deshalb untersucht, welche Alternativen zur Beurteilung von Beschreibungsmodellen bestehen. Hierzu werden wissenschaftstheoretische Paradigmen präsentiert, denen jeweils unterschiedliche Wahrheitstheorien zugrunde liegen. Es wird verdeutlicht, dass in Abhängigkeit der Paradigmenwahl unterschiedliche Ansprüche an Beschreibungsmodelle gestellt werden, jedoch in keinem Fall epistemologische Gütekriterien für Beschreibungsmodelle identifiziert werden können. Es wird gefolgert, dass die Beurteilung von Beschreibungsmodellen lediglich subjektiv bzw. anhand des sogenannten pragmatischen Merkmals durchführbar ist. Die Beurteilung der Güte von Beschreibungsmodellen sollte demzufolge auf ihre Eignung abstellen, den Modellanwender bei der gedanklichen Durchdringung seins Erkenntnisobjekts zu unterstützen. In Kapitel 5 werden die zentralen Erkenntnisse der Arbeit rekapituliert.

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Richter, Magnus: Zur Güte von Beschreibungsmodellen - eine erkenntnistheoretische Untersuchung. Ilmenau 2009.

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