Retrospektive Untersuchungen zum Verlauf von Interleukin-6-Serumspiegeln bei neonatalen Risikopatienten in der ersten Lebenswoche

Bonitz, Steffen

in der vorliegenden Arbeit wurden die IL-6-Serumkonzentrationen von Risikoneugeborenen in den ersten zehn Lebenstagen und ihre Veränderungen im Rahmen einer Early-Onset-Sepsis (EOS), von weiteren neonatologischen Krankheitsbildern sowie in Abhängigkeit vom Gestationsalter untersucht. Dafür wurden die Daten von 100 Neugeborenen sowie die Daten der zugehörigen Mütter retrospektiv erhoben und statistisch ausgewertet. Das durchschnittliche Gestationsalter dieser Kinder lag bei 33,4 SSW, für die Auswertung wurden weiterhin die Subgruppen der sehr unreifen (≤ 29+0 SSW), unreifen (29+1 bis 35+0 SSW) und reifen Neugeborenen (≥ 35+1 SSW) berücksichtigt. Die Diagnose einer EOS wurde retrospektiv anhand von anamnestischen, klinischen und laborchemischen Kriterien gestellt. Insgesamt 11 Neugeborene erkrankten an einer EOS. Die IL-6-Serumkonzen-trationen dieser Kinder waren zu den Untersuchungszeitpunkten nach Geburt und nach einem Tag signifikant höher als bei den Neugeborenen ohne Sepsis, ab einem Lebensalter von zwei Tagen fand sich kein signifikanter Unterschied mehr. Für einen IL-6-Cutoff von 165 pg/ml ergab sich eine Sensitivität von 81,8%, eine Spezifität von 88,8%, PPV von 47,4% sowie ein NPV von 97,5%. Die IL-6-Werte zeigten eine hochsignifikante Korrelation mit den einen Tag später gemessenen CRP-Konzentrationen. Bei den sehr unreifen Neugeborenen mit einem Reifealter ≤ 29+0 SSW waren prolongiert erhöhte IL-6-Serumkonzentrationen in der ersten Lebenswoche auffällig. Außerdem zeigten sich bei Neugeborenen mit Atemnotsyndrom (ANS) ab einem Lebensalter von einem Tag in der gesamten ersten Lebenswoche signifikant erhöhte IL-6-Serumkonzentrationen gegenüber den Kindern ohne ANS. Auch das Auftreten einer intraventrikulären Hämorrhagie war in einem Lebensalter von fünf bis sieben Tagen mit einer signifikanten IL-6-Erhöhung assoziiert. Diese Beobachtungen weisen auf eine Aktivierung systemischer Inflammationsprozesse im Rahmen dieser beiden Krankheitsbilder hin, die bei der Interpretation von IL-6-Werten in der ersten Lebenswoche Berücksichtigung finden sollte. Bei Patienten mit späterer bronchopulmonaler Dysplasie waren signifikant niedrigere IL-6-Serumkonzentrationen unmittelbar nach Geburt auffällig, bei keinem dieser Kinder wurde eine EOS diagnostiziert.

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Bonitz, Steffen: Retrospektive Untersuchungen zum Verlauf von Interleukin-6-Serumspiegeln bei neonatalen Risikopatienten in der ersten Lebenswoche. 2011.

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