Die Auswirkung von ausgewählten präventiven Konzepten auf die funktionale Gesundheit bei Personen mit unspezifischen, rezidivierenden Nackenschmerzen im Stadium der Chronifizierung

Henkel, Jan

Nackenschmerzen weisen in den Industrieländern eine zunehmende Prävalenz auf und verursachen damit steigende Kosten für die Gesundheitssysteme. Ziel dieser Studie ist zu überprüfen, ob einfache und kostengünstige Gruppenprogramme positive Effekte auf Personen mit unspezifischen, rezidivierenden Nackenschmerzen im Stadium der Chronifizierung haben. Die derzeitige Studienlage kann bisher diese Fragestellung für den unspezifischen Nackenschmerz nicht beantworten. Die Untersuchungen betreffen drei Konzeptionen – Nordic Walking, MBT-Schuhe sowie die Rückenschule des Bundesverbandes deutscher Rückenschulen (B.d.R.) – deren Auswirkung auf die funktionale Gesundheit abgeleitet wird. Einleitend gibt die Arbeit Einblick in die Epidemiologie und Pathogenese von Nackenschmerzen und nennt diesbezüglich aktuelle Studien zur Effektivität von Bewegungsprogrammen auch unter Berücksichtigung des Arbeitsplatzes. Es handelt sich um eine kontrollierte, randomisierte Interventionsstudie (n = 85) mit Baseline-Studiendesign. Die Baselinephase beträgt vier Wochen, die Programmdauer 12 Wochen und das Follow-up drei Monate. Das Durchschnittsalter der Probanden liegt bei 50,7 ± 11,1 Jahre. Outcomes sind die als Hauptzielparameter formulierten Assessments zur Beeinträchtigung von Nacken- und Rückenschschmerzen in Form des Neck Disability Index (NDI) und des Funktionsfragebogens Hannover-Rückenschmerzen (FFbH-R). Zur Beurteilung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wird der Short-Form-36 Health Survey (SF-36) und der Euroqol (EQ-5D) eingesetzt. Darüber hinaus erfolgen als Nebenzielparameter funktionale Testverfahren, um die in den Assessments erhobenen Ergebnisse motorisch zu verifizieren. Hierzu wird die Range of Motion (RoM) der Halswirbelsäule [°] Ultraschall gestützt in fünf verschiedenen Positionen ermittelt, modifizierte muskelfunktionale Untersuchungen nach JANDA geben Aussagen über den Verkürzungsstatus der Teilnehmer, ein 2-km Gehtest prüft über den Walking Index (WI) die allgemeine aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit und insgesamt vier Koordinationstests ermitteln die Gleichgewichtsfähigkeit und Ganzkörperkoordination der Probanden. Die statistische Auswertung erfolgt über ANOVABerechnungen mit Messwiederholung. Resultierend zeigt sich, dass nach der Intervention durch alle drei Programme die Nacken-(NDI) und Rückenschmerzen (FFbH-R) der Probanden gelindert werden können. Jedoch liegen keine Gruppendifferenzen vor. Bezogen auf die funktionale Gesundheit tendieren RS und N-W unmittelbar nach der Intervention zu schnelleren Erfolgen als MBT, dessen Stärke in der Nachhaltigkeit zu liegen scheint. Somit kann der häufig angeführte Grundsatz, dass sich Bewegung zur Linderung von Rückenschmerzen eignet, auch unter den speziellen Gesichtspunkten des Nackenschmerzes bestätigt werden. Die aktuelle Studienlage zeigt, dass zukünftig Setting bezogene Bewegungsprogramme bei Nackenschmerzen großes Potenzial haben. Alle drei Konzepte haben bezogen auf den Arbeitsplatz gute Entwicklungschancen, sofern inhaltliche Modifizierungen noch mehr in Richtung Verhaltensprävention gehen und die Programme arbeitsplatzbezogen zeitlich straffer organisiert werden. Verhaltenstherapeutische Schulungen könnten dabei in mehreren Meetings auch extern über das Jahr verteilt werden. Kleine Fallzahlen erlauben jedoch noch keine Generalisierung. Weitere Studien müssen die hier dargestellte Evidenz der Programme bestätigen. Hierzu wäre unter primär-präventiven Gesichtspunkten eine Evaluation insbesondere unter arbeitsplatzbezogenen Bedingungen sicherlich sinnvoll.

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Henkel, Jan: Die Auswirkung von ausgewählten präventiven Konzepten auf die funktionale Gesundheit bei Personen mit unspezifischen, rezidivierenden Nackenschmerzen im Stadium der Chronifizierung. 2011.

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