Das Streben nach Konsistenz im Entscheidungsprozess - Eine Untersuchung möglicher Einflussfaktoren

Ostermann, Tanja

Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, das Verständnis des Konsistenzmaximierungsprozesses in probabilistischen Inferenzentscheidungen durch die gezielte Untersuchung potentieller Einflussfaktoren zu vertiefen. Das Streben nach Konsistenz und seine Untersuchung wurden im theoretischen Teil der Arbeit zunächst allgemein betrachtet. Hierbei wurde die historische Entwicklung von der Gestaltpsychologie zu den Parallel Constraint Satisfaction (PCS)-Ansätzen aufgezeigt. Daraufhin wurde das Thema Konsistenz spezifisch für den Kontext der Entscheidungspsychologie, auf den in dieser Arbeit fokussiert wurde, betrachtet. Es wurden Theorien und Modelle vorgestellt, in denen der Aspekt der Erhöhung von Konsistenz zentral ist. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem PCS-Modell für probabilistische Inferenzentscheidungen von Glöckner und Betsch (2008b) gewidmet, in dem der Prozess der Konsistenzmaximierung den Kernmechanismus eines jeden Entscheidungsprozesses darstellt. Anschließend wurden Befunde empirischer Arbeiten, in denen die Maximierung von Konsistenz als systematische Reevaluation von Informationen im Entscheidungsprozess erfasst wurde, vorgestellt. Anhand dieser Befunde wurde dargelegt, dass die Erhöhung von Konsistenz als wichtiger Bestandteil des Informationsverarbeitungs-prozesses verstanden werden kann und die Suche nach Faktoren, die einen Einfluss auf die Stärke prädezisionaler Informationsumwertungen haben, erforderlich ist. Im Anschluss an diese theoretischen Ausführungen wurde zum empirischen Teil der Arbeit übergeleitet: Auf Basis des PCS-Modells für probabilistische Inferenzentscheidungen wurden Charakteristika der Situation und der Person, die einen Einfluss auf die Stärke der prädezisionalen Umwertung von Cue-Validitäten haben können, untersucht. Hierfür wurden insgesamt sieben Experimente und drei Simulationsstudien durchgeführt. Im ersten Experiment konnte unter Verwendung eines Solomon-Viergruppenplans der wichtige Nachweis erbracht werden, dass prädezisionale Reevaluationen in probabilistischen Inferenzentscheidungen auf die Reflexion über eine Entscheidungsaufgabe zurückgeführt werden können. Im folgenden zweiten Experiment wurde untersucht, ob systematische Reevaluationen von Cue-Validitäten auch bei einer ausgeglichenen Informationslage auftreten und welchen Einfluss die wiederholte Darbietung einer Entscheidungsaufgabe hat. Das erwartungskonträre Ergebnis, dass keine Umwertungen bei einer ausgeglichenen Informationslage aufgetreten sind, gab Anlass zu einer systematischen Untersuchung des Einflusses der Informationslage. In den Experimenten 3 und 4 konnte übereinstimmend gefunden werden, dass systematische Reevaluationen lediglich bei einer unausgeglichenen Informationslage auftreten. Neben dem Einfluss der Informationslage wurden auch personale Faktoren hinsichtlich ihres Einflusses auf die Stärke prädezisionaler Informationsumwertungen untersucht. In den Experimenten 4 und 5 wurden verschiedene personale Faktoren berücksichtigt. Allerdings fand sich für keinen der Faktoren ein überzeugender Zusammenhang. Drei Simulationsstudien sollten zur Klärung der Frage, wie gut das PCS-Modell die empirischen Ergebnisse vorhersagen kann, beitragen. Hierfür wurden Simulationen auf individueller Ebene durchgeführt. Ein wichtiger Befund war, dass bei ausgeglichenen im Gegensatz zu unausgeglichenen Informationslagen die Simulationsergebnisse keinen signifikanten Beitrag zur Vorhersage der Posttest-Validitäten machten, wenn für den Einfluss der Pretest-Validitäten kontrolliert wurde. In zwei weiteren Experimenten wurde erneut der Einfluss der Wiederholung untersucht. Während eine reine Wiederholung einer identisch konzipierten Entscheidungssituation in einer überwiegenden Abwertung von Cues resultierte, führte der Erhalt einer zusätzlichen entscheidenden Information eher zu einer systematischen Umwertung von Cues. Zusammenfassend war festzuhalten, dass die Annahme bidirektionaler Prozesse in der Entscheidungsfindung gestützt werden konnte. Allerdings waren weder die größtenteils moderate Evidenz für systematische Umwertungen noch das Ausbleiben selbiger bei ausgeglichenen Informationslagen nach dem PCS-Modell zu erwarten gewesen. Vor dem Hintergrund bereits bestehender sowie in dieser Arbeit erzielter Befunde wurde die Vermutung aufgestellt, dass es gewisser Mindestvoraussetzungen für das erfolgreiche Wirken des Konsistenzmaximierungsprozesses bedarf.

The aim of this thesis was to gain a deeper understanding of the consistency maximizing process in probabilistic inference tasks by analyzing potential influencing factors. Concerning the theoretical background the striving for consistency and its analysis were first considered in general. The development from Gestalt Psychology to parallel constraint satisfaction (pcs) models was demonstrated. After that the question of consistency was considered specifically for the domain of decision making on which a focus was put in this thesis. Theories and models were presented in which the increase of consistency is central. Special attention was paid to the pcs model of Glöckner and Betsch (2008b) in which the process of consistency maximizing is regarded as the core mechanism of decision making. Subsequently results of empirical studies in which the maximization of consistency was measured as a systematic reevaluation of information during decision making were presented. On the basis of these results it was argued that the increase of consistency can be regarded as a central part of information processing and that the search for factors which could influence the strength of the predecisional reevaluation is necessary. Following the theoretical considerations the empirical studies were presented: On the basis of the pcs model for probabilistic inferences characteristics of the situation and of the person which might influence the strength of predecisional reevaluation of cue validities were analysed. Seven experiments and three simulation studies were therefore conducted. Using a Solomon four group design it was shown in the first experiment that predecisional information distortion is due to the reflection on a decision task. In the following second experiment it was analysed if the systematic reevaluation of cue validities also occurs using a balanced information pattern and which influence the repetition of a decision task has. The unexpected result that no reevaluation occured using a balanced information pattern gave reason to a systematic analysis of the influence of the information pattern. In experiments 3 and 4 it was shown that systematic reevaluation only occurs using an unbalanced information pattern. Besides the influence of the information pattern also personal factors were examined concerning their influence on the strength of predecision information distortion. In experiments 3 and 4 several personal factors were considered but for none a convincing relation was found. Three simulation studies were conducted to clarify whether the pcs model can predict the empirical results. Therefore simulation studies on an individual level were conducted. An important result was that with balanced in contrast to unbalanced information patterns the simulation results contribute to the prediction of the posttest validities when controlling for the influence of pretest validities. In two further experiments the influence of repetition was again examined. While the mere repetition of an identically designed decision task resulted in a predominant devaluation of cues, the receipt of a further important information lead to a more systematic reevaluation of cues. In summary, the assumption of bidirectional processing in decision making was supported. However, neither the mostly weak evidence for systematic reevaluation nor their absence in balanced information patterns was expected according to the pcs model. Against the background of existing and of the results achieved in the presented studies it was argued that some minimum conditions are necessary for the consistency maximizing process to be successful.

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Ostermann, Tanja: Das Streben nach Konsistenz im Entscheidungsprozess - Eine Untersuchung möglicher Einflussfaktoren. 2010.

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