Therapeutische Hypothermie nach kardiopulmonaler Reanimation - eine neue Therapieform zur Verhinderung schwerer neurologischer Schäden nach globaler Hirnischämie

Purle, Sandra

EINLEITUNG: Seit 2003 wird die Behandlung erfolgreich reanimierter Patienten mit milder Hypothermie von der ILCOR empfohlen, allerdings nur für Patienten mit primärem Kammerflimmern. Ziel unserer Untersuchung war es, die Wirkung der therapeutischen Hypothermie auf das neurologische Outcome bei erweiterter Indikationsstellung zu überprüfen und zudem zwei verschiedene Kühlmethoden zu vergleichen. MATERIAL UND METHODEN: Die retrospektive Studie untersuchte 154 Patienten im Universitätsklinikum Jena, welche nach Herzkreislaufstillstand erfolgreich reanimiert wurden. Ausschlusskriterien waren traumatische Ursachen des Kreislaufstillstandes und eine Hypoxiezeit > 15 Minuten. 78 Patienten der Hypothermiegruppe wurden mithilfe eines intravasalen Kühlsystems (CoolGard 3000) oder mit einer externen Kühlmethode (Eis) für 24h auf 33°C gekühlt. 76 Patienten der Referenzgruppe erhielten die Standardtherapie (p-Wert <0,05 = signifikant). ERGEBNISSE: In der Hypothermiegruppe verstarben (GOS 1) nach 28 Tagen 47% der Patienten, in der Referenzgruppe 57%. Der Unterschied war nicht signifikant (p=0,446). Bei den Patienten mit primärem Kammerflimmern erreichten in der Hypothermiegruppe signifikant mehr Patienten (57%) ein gutes bis mäßiges neurologisches Ergebnis (GOS 3-5), als in der Referenzgruppe (32%), (p=0,028). Bei den Patienten mit primärer Rhythmusstörung Asystolie konnte das neurologische Ergebnis durch therapeutische Hypothermie nicht signifikant verbessert werden (GOS 3-5 in der Hypothermiegruppe 20%, in der Referenzgruppe 17%). Mit der intravasalen Kühlmethode konnte die angestrebte Zieltemperatur von 33°C signifikant schneller erreicht (225 Minuten versus 477 Minuten) und konstanter aufrechterhalten werden als mit rein externer Kühlung. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Erfolgreich reanimierte Patienten nach Herzkreislaufstillstand mit primärer Rhythmusstörung Kammerflimmern können von einer Therapie mit milder Hypothermie profitieren. Da Patienten mit primärer Asystolie kein verbessertes Outcome zeigen, kann hier die Anwendung milder Hypothermie nicht generell empfohlen werden.

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Purle, Sandra: Therapeutische Hypothermie nach kardiopulmonaler Reanimation - eine neue Therapieform zur Verhinderung schwerer neurologischer Schäden nach globaler Hirnischämie. 2010.

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