Bindung und Depressivität : längsschnittliche Zusammenhänge zwischen selbsteinschätzungsbasierten Bindungsmerkmalen und depressiven Beschwerden bei stationär-gruppenpsychotherapeutisch behandelten Patienten versus einer nicht-klinischen Vergleichsgruppe

Kirchmann, Helmut

In der vorliegenden Studie wurden Zusammenhänge zwischen Bindungsmerkmalen und Depressivität über drei Messgelegenheiten hinweg untersucht. Dabei wurden in einer multizentrischen Erhebung, an der sich fünf psychotherapeutische Einrichtungen beteiligten, Daten anhand einer Fragebogenbatterie an einer klinischen Stichprobe bestehend aus stationären Gruppenpsychotherapiepatienten mit unterschiedlichen Diagnosen zum Therapiebeginn, zur Entlassung aus der Klinik und ein Jahr nach dem stationären Aufenthalt gewonnen (N = 265). Zeitlich parallel wurde eine unbehandelte Vergleichsgruppe befragt, die sich aus Medizin- und Psychologiestudenten sowie Hausarztpraxispatienten zusammen setzte (N = 260). Die zentralen Fragestellungen waren: (1) Verändern sich Bindungsmerkmale infolge stationärer Psychotherapie in Richtung Zugewinn an sicheren Anteilen und bleiben solche möglichen Zugewinne längerfristig stabil? (2) Können Veränderungen in depressiven Beschwerden, die nach der Therapie zur Katamnese hin auftreten, durch zeitlich vorgeordnete Bindungsmerkmale prädiziert werden, derart dass unsicher Bindungsanteile mit höherer und sichere Bindungsanteile mit niedrigerer Depressivität assoziiert sind? Die Datenanalysen erfolgten mittels Strukturgleichungsmodellen (LISREL 8.72, EffectLite 3.12) auf der Basis von Testhälften. Die Analysen zeigten, dass Behandlungseffekte in Bezug auf Bindungsmerkmale in erwarteter Richtung ausfielen (Zugewinn an bindungssicheren Anteilen) und fast durchgängig statistische Signifikanz in der Patientengruppe erreichten. Eine konsistente und aufklärungsstarke Prädiktion von Post-Katamnese-Veränderungen in depressiven Beschwerden gelang innerhalb der Patientengruppe weder durch Bindungsmerkmals-State-Variablen zum Ende der Behandlung noch durch Bindungsmerkmals-Differenzvariablen (Post- minus Präwerte). Demgegenüber zeigten sich in der Vergleichsgruppe die erwarteten Prädiktoreffekte konsistent über die erhobenen Bindungsmerkmale hinweg. Die Ergebnislage deutet darauf hin, dass mit zunehmender Depressivität Bindungsmerkmalen eine geringere Bedeutung im weiteren Entwicklungsprozess depressiver Symptome zukommt.

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Kirchmann, Helmut: Bindung und Depressivität. längsschnittliche Zusammenhänge zwischen selbsteinschätzungsbasierten Bindungsmerkmalen und depressiven Beschwerden bei stationär-gruppenpsychotherapeutisch behandelten Patienten versus einer nicht-klinischen Vergleichsgruppe. Jena 2010.

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