Zur Entstehung der Schlafstadien und ihrer chronischen Beeinflussung durch eine pränatale Glukokortikoidbehandlung zur Förderung der Lungenreifung

Groh, Tobias GND

Nach bisherigen Theorien ist der undifferenzierte unreife Schlaf aufgrund der Prominenz zum Zeitpunkt der Geburt eine unreife Form des REM-Schlafes. Wir konnten an nichtanästhesierten Schaffeten in utero zwischen 0,7 und 0,9 der Gestation (Gestation 146 Tage) nachweisen, dass sich die zyklische ECoG-(Elektrokortikogramm)-Aktivität mit der Reifung des Hirnstammes entwickelt, welcher die Wechsel zwischen kortikaler Aktivierung und Deaktivierung induziert. Anschließend reifen die thalamischen Schrittmacherzellen, welche das NREM-Schlaf-ECoG induzierenden und erst wesentlich später die kortikalen neuronalen Interaktionen, die im REM-Schlaf aktiv sind. Im zweiten Teil der Untersuchungen sollte der Einfluss einer pränatalen Glukokortikoidbehandlung mit der klinisch zur Lungenreifung verwendeten Dosis Betamethason auf die Entwicklung der Schlafstadien untersucht werden. Eine pränatale Betamethasonbehandlung am 106. Gestationstag führte innerhalb von 4 Tagen zu einer vollständigen Reifung des REM-Schlaf-ECoG’s. Die Reifungsbeschleunigung des REM-Schlafes ging mit einer persistierenden Schlafstadienfragmentierung einher Neben der Fragmentierung der Schlafstadien zerstörte die pränatale Betamethasonbehandlung die zirkadiane Rhythmik der Schlafstadienlänge. Fehlende Effekte einer wiederholten Behandlung sind dabei Zeichen einer Glukokortikoidrezeptorresistenz. In Übereinstimmung damit kam es am 112. Gestationstag nicht zu der für eine Glukokortikoidbehandlung typischen akuten vorübergehenden Suppression der ECoG-Aktivität, wenn die Tiere mit Betamethason vorbehandelt waren. Es konnte somit gezeigt werden, dass die pränatale Betamethasontherapie zur Reifung des cholinergen Systems führt, welches den REM-Schlaf vermittelt. Dies geschieht auf Kosten einer persistierenden Fragmentierung der Schlafstadien als typisches Zeichen einer Depression. Diese die Hirnfunktion beeinflussenden Effekte machen eine enge Indikationsstellung der pränatalen Glukokortikoidtherapie notwendig.

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Groh, Tobias: Zur Entstehung der Schlafstadien und ihrer chronischen Beeinflussung durch eine pränatale Glukokortikoidbehandlung zur Förderung der Lungenreifung. 2010.

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