Automatische Kognitionen zu deliktrelevanten Konzepten bei sexuellen Kindesmissbrauchern und Gewaltstraftätern

Hutwelker, Elena GND

Diese Arbeit soll zur Erforschung von Faktoren beitragen, die pädophilen und gewalttätigen Verhaltensweisen zugrunde liegen. Dafür wurde der computergestützte Implizite Assoziationstest (IAT) angewandt und als ein Teil des IAT-Stimulusmaterials wurden deliktbezogene Bilder verwendet. Zur Validierung der Ergebnisse dieses Verfahrens wurden direkte Angaben in Fragebögen eingesetzt. Es wurde untersucht, ob sexuelle Kindesmissbraucher Wörter mit sexuellem Inhalt schneller den Bildern von Kindern als von Erwachsenen zuordnen. Damit sollte die Stärke der pädophilen Neigungen erfasst werden. Es zeigt sich, dass sexuelle Kindesmissbraucher im IAT mit Bildern von Babies und Erwachsenen, auf denen das Geschlecht nicht erkennbar ist, Sexualität stärker mit Kindern als mit Erwachsenen assoziieren. Dieser IAT hat eine bessere konvergente und prädikative Validität als der IAT mit Kinder- und Erwachsenenbildern mit erkennbarem Geschlecht, dessen Ergebnis dafür spricht, dass Kindesmissbraucher mit männlichen kindlichen Opfern stärkere Kind-Sex-Assoziationen haben als Sexualstraftäter mit weiblichen kindlichen Opfern. Für die Gesamtgruppe sexueller Kindes-missbraucher lassen sich die Befunde so interpretieren, dass mit dem IAT mit ge-schlechtsneutralen Personenbildern das Merkmal „Pädophilie“ im Sinne der „Kernpädophilie“ erfasst wird. Weiterhin wurde überprüft, ob Gewaltstraftäter sich selbst schneller gewalttätige als friedliche Attribute zuordnen. Damit sollte die Ausprägung des Merkmals „Gewalttätigkeit“ gemessen werden. Es zeigt sich, dass Gewaltstraftäter hypothesenkonform, aber nicht-signifikant ich-bezogenen Worten schneller gewalttätige als friedliche Bilder zuordnen. Als konfundierende Einflüsse auf die Untersu-chung des Konzepts „Gewalttätigkeit“ in der Straftätergruppe werden die Homo-genität der untersuchten Stichproben und das teilweise inkonsistente Stimulusmaterial diskutiert. Insgesamt zeigen die Analysen, dass die durchgeführten IATs für die Individualdiagnostik nicht genau genug sind, insbesondere wegen der Fehlklassifizierungen. Die wesentlichen Befunde weisen aber auf eine für diese Methode gute Validität und zeitliche Stabilität der angewendeten IATs hin und regen zur weiterführenden Überprüfung der untersuchten Fragestellungen an.

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Hutwelker, Elena: Automatische Kognitionen zu deliktrelevanten Konzepten bei sexuellen Kindesmissbrauchern und Gewaltstraftätern. 2008.

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