Unterkühlt-Smektische Lipid-Nanopartikel : Entwicklung und Charakterisierung eines neuartigen Trägersystems für schwer wasserlösliche Arzneistoffe

Kuntsche, Judith

Kolloidale Lipid-Emulsionen und Dispersionen fester Lipid-Nanopartikel, die als Trägersysteme für schwer wasserlösliche Arzneistoffe untersucht werden, erscheinen insbesondere im Hinblick auf ihre physiologische Verträglichkeit gegenüber anderen kolloidalen Trägersystemen wie beispielsweise Polymer-Nanopartikeln von Vorteil. Kolloidale Fettemulsionen werden seit langem für die parenterale Ernährung eingesetzt und sind auch geeignet für die Solubilisierung lipophiler Arzneistoffe [Prankerd und Stella 1990, Floyd und Jain 1996, Klang und Benita 1998]. Während der flüssige Zustand der Lipidmatrix einerseits eine hohe Aufnahmekapazität für Arzneistoffe aufweist, ist er jedoch mit einigen Nachteilen wie beispielsweise der hohen Mobilität inkorporierter Arzneistoffmoleküle und einem möglichen Partikelgrößenwachstum aufgrund von Koaleszenz der Emulsionspartikel verbunden. Um eine langsamere Freisetzung von inkorporierten Arzneistoffen sowie auch eine höhere Stabilität der Nanopartikel zu erzielen, dabei aber auch die Vorteile der kolloidalen Fettemulsionen insbesondere im Hinblick auf die physiologische Verträglichkeit zu bewahren, wurden Anfang der 90er Jahre Lipid-Nanopartikel mit einer festen Matrix eingeführt [Westesen 2000, Müller et al. 2000, Mehnert und Mäder 2001]. Aufgrund der meist hochgeordneten, kristallinen Matrix ist die Aufnahmekapazität für Arzneistoffe in diese Nanopartikel jedoch begrenzt. Um die Aufnahmekapazität von Arzneistoffen in feste Lipid-Nanopartikel zu erhöhen, wurden Lipid-Nanopartikel aus Gemischen von festen und flüssigen Lipiden entwickelt, wobei angenommen wird, dass die flüssigen Lipide als "Nano-Kompartimente" in der festen Lipidmatrix eingebettet vorliegen [Müller et al. 2002]. Untersuchungen zur Ultrastruktur von Compritol-Nanopartikeln, denen unterschiedliche Mengen mittelkettiger Trigylceride (MCT zugemischt wurden, haben allerdings gezeigt, dass es zumindest bei höheren Konzentrationen von MCT zu einem Austritt der flüssigen Lipide aus der kristallinen Matrix kommt [Jores et al. 2003, 2004]. Eine weitere, viel versprechende Alternative bietet der flüssigkristalline Zustand der Lipidmatrix. Der Ordnungsgrad der flüssigkristallinen Struktur bedingt eine vergleichsweise hohe Viskosität und damit eine eingeschränkte Beweglichkeit eingeschlossener Arzneistoffmoleküle. Andererseits sollte durch die Fluidität auf molekularer Ebene die Aufnahmekapazität für Fremdmoleküle im Vergleich zum hoch geordneten kristallinen Zustand höher sein. Ziel der vorliegenden Arbeit war die Entwicklung und Charakterisierung eines wässrigen kolloidalen Arzneistoffträgersystems, dessen Lipidpartikel in einem thermotrop flüssigkristallinen (smektischen) Zustand vorliegen und das insbesondere auch für eine parenterale Applikation geeignet sein sollte. Für die Herstellung der Nanopartikel wurden Cholesterolester verwendet.

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Kuntsche, Judith: Unterkühlt-Smektische Lipid-Nanopartikel. Entwicklung und Charakterisierung eines neuartigen Trägersystems für schwer wasserlösliche Arzneistoffe. 2006.

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