Auswertung von Fluoreszenzbefunden zur Evaluierung der Aminolävulinsäure-vermittelten Protoporphyrin IX-Fluoreszenzdiagnostik

Lighvani, Ahmad Reza

In den letzen Jahren wird eine permanente Zunahme von bösartigen Tumoren beobachtet. Die Ursachen dafür sind nicht vollständig geklärt. Es lässt sich ein sicherer Zusammenhang zwischen steigendem Tabakwaren- und Alkoholkonsum und der Zunahme von bösartigen Tumoren der Mundhöhle finden. Eine steigende Belastung der Bevölkerung mit Umweltgiften und eine genetische Disposition werden ebenfalls nach BATSAKIS (1974) diskutiert. Bei den gegenwärtig etablierten Therapiemethoden beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate (ÜR) für das Mundhöhlenkarzinom ca. 45 %. Die ÜR kann bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung dramatisch verbessert werden. Die klinische Inspektion der Mundhöhle gibt jedoch erst bei charakteristischen und morphologisch sichtbaren größeren Veränderungen einen Hinweis auf ein malignes Geschehen, sodass sich Frühformen meist einer Diagnose entziehen. Leider werden gegenwärtig nur 30% der Mundhöhlenkarzinome in einem frühen Stadium entdeckt. Sicher spielt dabei auch die relative Symptomarmut der frühen Formen des Mundhöhlenkarzinoms nach BATSAKIS (1974) eine Rolle. So vergeht viel Zeit, bis im späteren Verlauf - wenn unter Umständen schon eine Absiedlung von Tumorzellen in den regionalen Lymphknoten (LK) stattgefunden hat -Schmerzen, Blutungen, Ulzerationen und Störungen der Nahrungsaufnahme auftreten. In den letzten Jahren gewinnt nach APPLETON et al. (1998) der Einsatz von Farbstoffen mit photosensibilisierenden Eigenschaften für die Fluoreszenzdiagnostik und -therapie rasch an Bedeutung. Die Fluoreszenzdiagnostik (FD) basiert auf einer selektiven Anreicherung von bestimmten nichttoxischen Farbstoffmolekülen im Tumorgewebe. In gesunden Zellen wird der Farbstoff nur in geringen Mengen aufgenommen oder durch den intakten Metabolismus rasch wieder eliminiert. Die δ-Aminolävulinsäure (ALA)-gestützte FD ermöglicht den Nachweis von oralen Mundhöhlenkarzinomen. Auch Tumoren geringer Größe, und in einem sehr frühen Stadium, lassen sich farblich markieren. In Untersuchungen von ZENK et al. (1999) an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG-Chirurgie) an 246 Patienten mit Mundhöhlenkarzinomen konnten 96% der im Nachgang histologisch nachgewiesenen Tumoren präoperativ über ALA-induzierte Fluoreszenz visualisiert werden. Der hohen Spezifität der Methode steht eine große Anzahl von falsch positiven Befunden gegenüber. Diese traten bevorzugt bei diejenigen Patienten auf, die nach der ALA-Spülung Nahrung (I) zu sich genommen hatten, die eine schlechte Mundhygiene aufwiesen (II) sowie bei den Patienten, bei denen eine Strahlentherapie (III) im orofazialen Bereich vorausgegangen war. Außerdem zeigten entzündliche Veränderungen (Gingivitis, Aphten) ähnliche Fluoreszenzbefunde (IV). Da eine Anzahl von pathologischen Veränderungen nahezu identisch erscheinende Fluoreszenzbilder hervorrufen kann, wird eine sichere Diagnosestellung erschwert. Um einen routinemäßigen Einsatz in der Klinik oder Praxis zu ermöglichen, sollen die Grundlagen zur intelligenten Differenzierung der Fluoreszenzbefunde auf der Basis eines neuronalen Netzwerkes geschaffen werden. Gleichzeitig soll die Abhängigkeit der Befundinterpretation vom Ausbildungsstand des untersuchenden Arztes geprüft werden.

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Lighvani, Ahmad Reza: Auswertung von Fluoreszenzbefunden zur Evaluierung der Aminolävulinsäure-vermittelten Protoporphyrin IX-Fluoreszenzdiagnostik. 2006.

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