Morphologische und dynamische Kriterien des invasiv-lobulären Mammakarzinoms in der Magnetresonanzmammographie

Ferch, Kirsti

Die hohen Mortalitätsraten des Brustkrebses der Frau unterstreichen, dass der Kampf gegen diese Erkrankung noch nicht gewonnen ist. Mit Hilfe von Mammographie und Ultraschall kann die Mehrzahl der Mammakarzinome dargestellt werden. Die höchste Sensitivität zum Nachweis von Brustkrebs hat die MRM (Kaiser, 1989). Treten falsch negative Befunde auf, handelt es sich häufig um invasiv-lobuläre Karzinome (ILC). Bei dieser Tumorart können Veränderungen des Gewebes gering sein und die Visualisierung des Karzinoms in den bildgebenden Verfahren erschweren (Krecke and Gisvold, 1993). Eine suspekte Anreicherung von Kontrastmittel (KM) in dynamischen MR-Aufnahmen kann fehlen (Boné et al., 1996). Durch die Zusammenschau morphologischer und dynamischer Herd-merkmale können Zusatzinformationen gewonnen werden, die die richtige Diagnose ermöglichen. In der vorliegenden Arbeit erfolgt eine Analyse von 17 dynamischen und morphologischen Kriterien von 108 ILC, um Charakteristika dieses Tumors in der MRM herauszuarbeiten. Bei den untersuchten Kriterien von 53 reinen und 55 gemischten ILC wird geprüft, ob zusätzliche Karzinomanteile einen Einfluss auf die MR-mammographische Darstellung haben. Die 108 betrachteten Frauen entstammen einem Kollektiv von 694 Patientinnen, die im Zeitraum von Dezember 1994 bis Dezember 2001 eine MRM am IDIR Jena erhielten. Sowohl die Überweisung an das IDIR als auch die operative Versorgung dieser Frauen erfolgte durch die UFK Jena. Bei 110 Patientinnen wurden 115 ILC diagnostiziert. Zwei Frauen hatten synchron bilaterale ILC. Diese wurden von der Studie ausgeschlossen. Bei drei Frauen wurde nach der Behand-lung eines ILC ein weiteres ILC bei einer späteren MRM nachgewiesen. In diesen drei Fällen wurde nur das erste Karzinom in die Studie eingeschlossen. Somit ergab sich durch den Ausschluss von 7 Herden eine Gesamtzahl von 108 untersuchten ILC. Die MRT-Aufnahmen wurden an einem 1.5 T-System erstellt. In der retrospektiven Analyse der nativen T1-gewichteten Scans wurden Rand, Form, Binnenstruktur und Signalintensität des Karzinoms beurteilt. Anhand der dynamischen 2D-FFE-Sequenzen charakterisierte man die KM-Anreicherung des Herdes. Dabei fanden etablierte Kriterien wie das Wash-out-Phänomen oder ein zentripetales Enhancement Eingang in die Betrachtungen. Zusätzlich wurde das im Rahmen dieser Studie neu definierte Blooming-sign beurteilt, bei dem es sich um die Beobachtung einer scharfen KM-Abgrenzung am Läsionsrand in der S1-Aufnahme und nachfolgender unscharfer Abgrenzung in den folgenden Scans handelt. Weitere neue Kriterien waren das Root- und Hook-Zeichen, die in T2-gewichteten TSE-Aufnahmen analysiert wurden. Als Root-sign wurde ein wurzelartiger Tumorausläufer in das umgebende Gewebe bezeichnet. Ein Hook-sign lag vor, wenn ein Tumor-ausläufer Kontakt zum Brustmuskel aufwies. In den T1- gewichteten Bildern hatten 86 % (93/108) der ILC einen unscharfen Rand. 35 % (38/108) der Karzinome waren irregulär, 29 % (31/108) sternförmig und 20 % (22/108) rund. 9 % (10/108) der Herde hatten eine retikuläre Form, während 6 % (6/108) lobuliert waren. Eine inhomogene Binnenstruktur wurde bei 69% (75/108) der Fälle beobachtet. Bei 97 % (105/108) der ILC waren keine Septen vorhanden. Drei Karzinome hatten Septen, die kein Kontrastmittel aufnahmen. Auf T1-gewichteten Aufnahmen war kein Malignom im Vergleich zum Drüsengewebe hyperintens. In den dynamischen Scans wiesen 42 % (45/108) der Herde ein inhomogenes und 31 % (33/108) ein zentri-petales Enhancement auf. Bei 16 % (17/108) der ILC war die KM-Verteilung homogen und bei 10 % (11/108) segmental. Ein Plateau- oder Wash-out-Phänomen wurde bei 92 % (99/108) der Herde beschrieben. Die restlichen 9 Karzinome zeigten einen progredienten Anstieg der Signalintensität. Bei 56 % (61/108) der Herde sah man ein Blooming-sign. In den T2-gewichteten Aufnahmen stellten sich 96 % (104/108) der ILC signalarm dar. Ein Root-sign wurde bei 75 % (81/108) der Läsionen festgestellt. Ein Hook-sign hatten 39 % (42/108) der Karzinome. Zwischen den 53 reinen und den 55 gemischten ILC bestand bei keinem der Merkmale ein statistisch signifikanter Unterschied in der Häufigkeit des Auftretens. Die Analyse zeigt, dass die Mehrzahl der 108 ILC anerkannte malignomsuspekte Charakteristika aufweist. Zehn Karzinome hatten eine retikuläre Form und somit ein für invasive Karzinome untypisches Aussehen. Sechs Malignome waren lobuliert. Bei 9 ILC war der KM-Anstieg progredient. Drei Herde hatten Septen, die kein KM aufnahmen. Diese Merkmale treten in der Regel bei gutartigen Herden auf (Nunes et al., 2001). Um in der klinischen Praxis falsch negative Befunde zu dezimieren, sollte deshalb die Zusammenschau mehrerer morphologischer und kinetischer Kriterien erfolgen. Möglicherweise können neue Charakteristika wie das Blooming-, Root- oder Hook-sign als Anhaltspunkt für das Vorhandensein einer malignen Läsion gewertet werden. Der diagnostische Wert dieser Kriterien muss jedoch in zukünftigen Studien evaluiert werden.

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Ferch, Kirsti: Morphologische und dynamische Kriterien des invasiv-lobulären Mammakarzinoms in der Magnetresonanzmammographie. 2006.

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