Sozioökonomische Evolution, Internalisierungserfordernisse und das Problem der Fraktionierung

Walterscheid, Heike

Summary A precondition for the exchange of scarcities is the existence of exclusive property. Given that transaction takes place via markets and, therefore, scarcities are evaluated on the basis of market prices, an efficient allocation can only be performed if individual and collective property takes a maximum measure in exclusivity. If the judicial system of a society guarantees a pareto-efficient internalization of technological external effects as scarcity indicators, an exclusivity of property can originate, and the approach towards an efficient allocation of the same can be achieved. The consideration of the internalization relevance of physical proprietary bases, property-founding bundles of action and disposal rights as well as economic subjects involved in a technological external effect, however, is an essential condition for efficient internalization. If this unity is broken, internalization is no more possible in the original sense. In that case a separation exists between the dimensions relevant to internalization; actions on a scarcity and the results of actions will not be joined any more on the economic subjects trading in each case. This state that we called fractionation represents the essential cause for an increasing partial centralization of property-founding bundles of action and disposal rights. Depending on a respective democracy form, gradually different parts of valuable, property-founding bundles of action and disposal rights as a collective proprietary size of principals are centralized on political agents who influence this bundle of rights fiduciarily within the scope of the organization of the community (resources, infrastructure). Since political agents reproduce themselves in the political system by power- motivated voice maximization, there exist incentives to perform Rent Seeking activities, which are induced by partially centralized collective bundles of action and disposal rights and may defy control by principals. Supposing that functionally differentiated subsystems of a democratic social system of a society under the rule of law are autopoietic subsystems, it is the quality of the structural couplings stipulated in a constitution that decides on the question whether social systems are in a reversible or non-reversible fractionation dilemma.

Eine wesentliche Voraussetzung für den Tausch von Knappheiten ist die Existenz von exklusivem Eigentum. Erfolgt der Tausch über dezentrale Märkte und somit die Bewertung der Knappheit zu Marktpreisen, kann eine effiziente Allokation dann erfolgen, wenn individuelles und kollektives Eigentum ein höchstmögliches Maß an Exklusivität annimmt. Gewährleistet das Rechtssystem einer Gesellschaft eine pareto-effiziente Internalisierung technologischer externer Effekte als Knappheitsindikatoren, kann angepasste Exklusivität von Eigentum entstehen und die Annäherung an eine effiziente Allokation desselben erfolgen. Wesentliche Voraussetzung ist jedoch die Berücksichtigung der Internalisierungsrelevanz, indem physische Eigentumsbasen, eigentumbegründende Handlungs- und Verfügungsrechtsbündel sowie Wirtschaftssubjekte nach Maßgabe der Involviertheit in einen technologischen externen Effekt eine Einheit bilden. Werden internalisierungsrelevante Zusammenhänge durchbrochen, ist eine Internalisierung im ursprünglichen Sinne nicht mehr möglich. Vielmehr besteht eine Trennung zwischen den internalisierungsrelevanten Größen; Handlungen an einer Knappheit und Handlungsfolgen vereinen sich nicht mehr auf jeweils handelnde Wirtschaftssubjekte. Dieser als Fraktionierung bezeichnete Tatbestand stellt die wesentliche Ursache für eine zunehmende Teilzentralisierung eigentumbegründender Handlungs- und Verfügungsrechtsbündel dar. In Abhängigkeit einer jeweiligen Demokratieform graduell unterschiedlich wird ein Teil wertvoller, eigentumbegründender Handlungs- und Verfügungsrechtsbündel als kollektive Eigentumsgröße der Prinzipale auf politische Agenten zentralisiert, die diese fiduziarisch im Rahmen der Organisation des Gemeinwesens (Ressourcen, Infrastruktur) beeinflussen. Da sich politische Agenten im politischen System durch machtmotivierte Stimmenmaximierung reproduzieren, bestehen Anreize zu Rent-Seeking-Aktivitäten, die durch teilzentralisierte kollektive Handlungs- und Verfügungsrechtsbündel induziert sind und sich der Kontrolle durch die Prinzipale entziehen können. Wird unterstellt, dass es sich bei funktional ausdifferenzierte Teilsystemen eines rechtsstaatlichen, demokratischen Gesellschaftssystems um autopoietische Teilsysteme handelt, so entscheidet die Qualität der in einer Verfassung angelegten strukturellen Kopplungen über die Frage, ob sich Gesellschaftssysteme in einem reversiblen oder irreversiblen Fraktionierungsdilemma befinden.

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Walterscheid, Heike: Sozioökonomische Evolution, Internalisierungserfordernisse und das Problem der Fraktionierung. 2005.

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