Degenerative Veränderungen als Voraussetzung zur Sehnenruptur

Stolz, Christian Bernhard GND

Eine große Anzahl von Veröffentlichungen betrachten eine degenerative Vorschädigung oder andere Faktoren als rupturauslösende Veränderungen bei Sehnenrupturen. Andere postulieren, dass auch eine gesunde Sehne bei einem unglücklichen Zusammenwirken mechanischer Faktoren der einwirkenden Kraft nicht mehr standhalten können; es kommt zu Ruptur (31,93,221). In dem von uns untersuchten Patientengut der Unfall- Hand- und Wiederherstellungs-Chirurgie der FSU Jena konnten nur bei einem Teil der Patienten lichtmikroskopische Anzeichen einer vorbestehenden degenerativen Tendopathie diagnostiziert werden; hierbei wirkte jedoch meist ebenso ein schweres Trauma bei der Ruptur mit. Vorgeschädigte Sehnen, welche durch ein inadäquates Trauma rupturierten, waren lediglich bei der Achillessehne mit 18,4% vertreten. Auffällig war hier jedoch, dass bei einer proximalen Bizepssehne, welche im Rahmen einer nur leichten Belastung riss keine degenerative Vorschädigung im Lichtmikroskop nachweisbar war. Möglicherweise können nicht alle tendinopathisch veränderten Sehnen lichtmikroskopisch als solche erkannt werden. Im Rahmen der Betrachtung einiger Faktoren bezüglich der Pathogenese einer degenerativen Tendopathie konnten wir eine lineare Korrelation zwischen zunehmendem Alter und einem vermehrten Auftreten vorgeschädigter Sehnen bei unseren Rupturpatienten nicht bestätigen. Obgleich das männliche Geschlecht in unserem Patientengut deutlich überrepräsentiert war (Quadrizepssehne: 82%, Achillessehne: 82%), konnten wir auch hier keinen deutlichen statistischen Zusammenhang mit einer histologischen Vorschädigung bei Quadrizeps- und Achillessehnenrupturen bestätigen. Bizepssehnenrupturen waren in 100% der Fälle bei Männern aufgetreten. Eine eventuelle Vorschädigung des Sehnengewebes durch multiple Mikrotraumen, wie beispielsweise durch einen physisch anstrengenden Beruf, zeigte sich bei unseren Rupturpatienten ebenfalls nicht in einem signifikanten Ausmaß. Der Großteil unserer Patienten zog sich die Sehnenruptur im Rahmen schwerer direkter oder indirekter Traumata bzw. schwerer Belastungen zu. Diese könnten nach Heger (76) und anderen Autoren (9,147,250) ausschlaggebende Mechanismen der Sehnenruptur gewesen sein. Ebenso könnten hier möglicherweise auch weitere Faktoren, wie beispielsweise eine Vorspannung der tenomuskulären Einheit (24,26,183), ein Ausfall der cerebralen Schutzmechanismen (94,158) oder der Überraschungsmoment (14,107,108) mitgewirkt haben. In dieser Arbeit konnten wir anhand der Patienten, die im Zeitraum von 1991 bis 2000 in der Unfall- Hand und Wiederherstellungschirurgie der Friederich- Schiller- Universität Jena an Rupturen der Bizeps- Quadrizeps- und Achillessehnen behandelt wurden, zeigen, dass eine lichtmikroskopisch sichtbare degenerative Vorschädigung einer Sehne nicht unbedingte Vorraussetzung für ihre Ruptur ist.

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Stolz, Christian Bernhard: Degenerative Veränderungen als Voraussetzung zur Sehnenruptur. Jena 2004.

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