Entzauberte Geschichte : Max Weber und die Krise des Historismus

Hidas, Zoltán

Webers Werk entstand in einer Epoche des okzidentalen Denkens, die in jedem ihrer geistigen Bereiche vom Gedanken des Historischen durchdrungen war. Der Historismus wird als eine gesitige Bewegungsform verstanden, die sich das Ziel steckt, jedes Seiende auf seine individuelle Eigenart. d.h. Geschichtlichkeit hin zu betrachten. Damit handelt er sich unbeabsichtigt schwerwiegende theoretische sowie praktische Konsequenzen ein. Einerseits kommen die Fundamente der historischen Erkenntnis in Bewegung, andererseits tut sich die Geschichte vor den Augen des Menschen der Jahrhundertwende als eine alles relativierende Macht auf, die eine völlige Orientierungslosigkeit in bezug auf Gültigkeiten und Verbindlichkeiten zum Ergebnis hat. Webers Geschichtsauffassung ist in ihrem vollen Gewicht nur verständlich, wenn sie im Kontext des historischen Denkens und seiner sogenannten 'Krise' interpretiert werden. Weber ermisst alle möglichkeiten des Historismus sowie seiner Krise, von der Methodologie durch die Entstehungsbedingungen unserer Situation bis zu den existentiellen Möglichkeiten des darin lebenden Menschen. In einem ersten Schritt wird Webers Geschichtskonzeption als die konsequenteste Entfaltung eines Standpunkts dargestellt, die von der Historik des 19. Jahrhunderts im intellektuellen Kampf gegen die idealistische Geschichtsphilosophie eingenommen wurde. Im zweiten Schritt gilt es, die weltanschaulichen Implikationen dieser Geschichtskonzeption auszuarbeiten, die sich im von Ernst Troeltsch geprägten Begriff der 'Krise des Historismus' zusammenfassen lassen. Im dritten Schritt wird gezeigt, daß Weber die wissenschaftliche Rationalisierung in den Prozess einer spezifisch okzidentalen Rationalisierung und letztlich in die Religionsgeschichte einbettet. Das Problem des Historischen vermag es, die Wissenschaftslehre und die Religionssoziologie in einer besonderen Einheit sehen zu lassen, und beides schließlich mit der existentiellen Position zu verknüpfen, die Weber als unsere erkennt.

Weber conceived his sociology in a period of Western intellectual history when almost every intellectual spheres were thoroughly possessed by the thought of historicity. Historism is to be understood as a form of thinking which grasps everything what there is with respect to its individuality i.e. historicity. This attitude implies some grave theoretical and practical consequences: the very ground of historical knowledge gets in motion, and history becames a power which makes all things of the world relative and deprives man of orientation in the realm of validites. In this study, Weber's work is interpreted in the context of historical thinking and its so called 'crisis'. He was one of the few of his time who were able to take the measure of all aspects of historism from the methodology through the historical roots of our situation up to the existential possibilities of man in it. In the first step, Weber's conception of history is presented as the most consequent form of a point of view which was developed by the historical sciences of the 19. century in opposition to the philosophical constructions of idealism. As a second step, the implications for the 'Weltanschauung' are worked out in the concept of the 'crisis of historismus' coined originally by Ernst Troeltsch. At last we show how the process of the scientifical ( for example the historical ) rationalization is, according to Weber, embedded in a theoretically broader and historically longer process of a specific occidental rationalization and in the history of religions. The problem of historicity enables us to point out the conceptual connections between methodology and the sociology of religion, and how both correspond with the existential position of modern man.

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Hidas, Zoltán: Entzauberte Geschichte. Max Weber und die Krise des Historismus. 2002.

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