Situationale und personale Bedingungen des Stresserlebens bei Straßenbahn- und Stadtbahnfahrern

Dörre, Petra GND

Ausgangspunkt der hier vorliegenden Arbeit ist, dass die Tätigkeit des Straßenbahn- und Stadtbahnfahrens langfristig eine erheblich belastende und beanspruchende Berufstätigkeit ist, viele Fahrerinnen und Fahrer über gesundheitliche Beeinträchtigungen durch ihre Arbeitstätigkeit klagen, der Krankenstand des Fahrdienstpersonals überdurchschnittlich hoch ist und ein großer Anteil der Fahrerinnen und Fahrer vorzeitig aus dem Fahrdienst ausscheidet (vgl. z.B. Gießer-Weigl, 1989; Kühlmann, 1985; Kurz, 1994; Meifort, Reiners & Schuh, 1983; Minssen, 1988a; Petry, 1980). Um hier mit Trainingsmaßnahmen oder auch mit Maßnahmen technischer oder organisatorischer Art ansetzen zu können, ist es erforderlich, genau zu wissen, was das Fahrdienstpersonal stresst. Bei der Entstehung von Stress spielen sowohl situationale als auch personale Faktoren eine Rolle (Lazarus & Folkman, 1987; Lazarus & Launier, 1978, 1981), sie werden jedoch meist nicht gleichzeitig erhoben (Lazarus & Folkman, 1987). Ebenso sind Personparameter im Stressprozess in der bisherigen Forschung nur unzureichend berücksichtigt (Schwarzer im Vorwort von Jerusalem, 1990). Auch bei Straßenbahn- und Stadtbahnfahrern wurden bisher situationale und gleichzeitig personale Faktoren noch nicht systematisch erhoben. Die Zielsetzung der hier vorliegenden Arbeit ist es deshalb, gleichzeitig situationale und personale Faktoren des Stresserlebens bei Straßenbahn- und Stadtbahnfahrerinnen und -fahrern zu erheben und systematisch zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen dann später, in einem nächsten Schritt, auch für eine Trainingsentwicklung zur Stressprävention verwendet werden können. In der hier vorliegenden Arbeit wurden die Einflussfaktoren auf das Stresserleben bei Straßenbahn- und Stadtbahnfahrern in vier Verkehrsunternehmen unterschiedlicher Größe, Betriebsstruktur und Arbeitsanforderungen, im ersten Schritt explorativ durch Interviews und im zweiten Schritt durch eine Fragebogenerhebung, untersucht. Bei den Interviews wurden 152 Fahrerinnen und Fahrer sowie betriebliche Funktionsträger wie Betriebsleiter, Betriebsarzt, Verkehrsmeister, Betriebsrat, Ausbilder und Lehrfahrer in jeweils ca. zwei-stündigen Gruppeninterviews anhand eines Interviewleitfaden hinsichtlich der wesentlichen Stressoren und Ressourcen zur Bewältigung stressauslösender Ereignisse befragt. Für die Fragebogenerhebung wurden, aufbauend auf den Interviewergebnissen, konkrete Situationen nach einem facettentheoretischen Design (vgl. Borg, 1992) mit den situationalen Faktoren "Vorher-sagbarkeit der Situation" und "Kontrollierbarkeit der Situation" konstruiert, um zu überprüfen, welche Rolle die in der psychologischen Stressforschung thematisierten beiden Variablen beim Entstehen psychischer Beanspruchung des Fahrpersonals spielen. Als Personvariablen wurden Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen erhoben. Befragt wurden insgesamt 254 Personen des Fahrdienstpersonals. Die Ergebnisse dieser Untersuchung hinsichtlich des Einflusses der untersuchten situationalen und personalen Faktoren entsprechen im wesentlichen den Ergebnissen in anderen Anwendungsbereichen. Diese Arbeit zeigt weiterhin auf, dass es erforderlich ist, situationale und personale Faktoren des Stresserlebens gemeinsam zu erheben, da ansonsten, aufgrund von Interaktionseffekten, wesentliche Ergebnisse verloren gehen können. Zum Abschluss werden mögliche Maßnahmen zur Stressprävention für Straßenbahn- und Stadtbahnfahrer erörtert und, ausgehend von den Ergebnissen dieser Arbeit, Überlegungen für die Entwicklung eines Trainingsdesigns für ein Stresspräventionstraining dargestellt.

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Dörre, Petra: Situationale und personale Bedingungen des Stresserlebens bei Straßenbahn- und Stadtbahnfahrern. 2002.

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